Tails hat ein Notfall-Update veröffentlicht, um eine kritische Schwachstelle im Linux-Kernel zu beheben, die es einer bösartigen Website ermöglichen könnte, die Kontrolle über das System eines Nutzers zu übernehmen und dessen Identität offenzulegen.
Das auf Datenschutz ausgerichtete Betriebssystem fordert Nutzer auf, umgehend auf Tails 7.10.1 zu aktualisieren. Frühere Versionen sind weiterhin anfällig für CVE-2026-64560, eine Schwachstelle, die dem Tor Browser Administratorrechte auf dem System verschaffen könnte.
Dieser Zugriff könnte es einer bösartigen Website ermöglichen, Tails zu kompromittieren und den Nutzer zu deanonymisieren.
Das Tor Project erklärt, dass der Angriff die meisten Nutzer wahrscheinlich nicht betreffen wird. Es warnt jedoch davor, dass eine leistungsfähige staatlich unterstützte Gruppe oder ein kommerzielles Hacking-Unternehmen die Schwachstelle möglicherweise gegen besonders wertvolle Ziele ausnutzen könnte.
Nach Angaben des Projekts gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass die Schwachstelle bereits bei realen Angriffen ausgenutzt wurde.
Kritische Tails-Schwachstelle betrifft den Tor Browser
Tails, die Abkürzung für The Amnesic Incognito Live System, ist eine portable Linux-Distribution, die entwickelt wurde, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen und nach dem Herunterfahren keine Spuren auf dem Computer zu hinterlassen.
Aktivisten, Journalisten, Forscher und Menschen, die Zensur umgehen möchten, nutzen Tails häufig von einem USB-Stick, anstatt es auf der internen Festplatte eines Computers zu installieren.
Das Betriebssystem enthält den Tor Browser für anonymes Surfen und kann ausgewählte Dateien, E-Mails, Dokumente sowie zusätzliche Software im verschlüsselten Persistent Storage auf dem USB-Stick speichern.
Die nun behobene Tails-Schwachstelle betrifft das POSIX-CPU-Timer-Subsystem des Linux-Kernels. Sie kann unter bestimmten Umständen eine seltene Race Condition auslösen.
Das zugrunde liegende Problem soll seit Linux-Kernel-Version 5.7 bestehen, die im Mai 2020 veröffentlicht wurde.
Laut dem Tor Project könnte eine bösartige Website die Schwachstelle über den Tor Browser ausnutzen und Administratorrechte erlangen. Ein Angreifer könnte anschließend die vollständige Kontrolle über das Tails-System übernehmen und den Anonymitätsschutz untergraben, auf den sich die Nutzer verlassen.
Weitere Schwachstellen zur Rechteausweitung ebenfalls behoben
Das Update auf Tails 7.10.1 behebt außerdem weitere Sicherheitslücken, durch die Anwendungen Administratorrechte erlangen könnten.
Das Projekt warnt, dass ein Angreifer einen Nutzer dazu verleiten könnte, eine bösartige Datei in einer Anwendung zu öffnen, die die Expat-Bibliothek verwendet. Betroffen sein könnten unter anderem LibreOffice, Audacity und Git.
Gelingt der Angriff, könnte der Angreifer eine dieser Schwachstellen nutzen, um die Kontrolle über Tails zu übernehmen und den Nutzer zu deanonymisieren.
Tails betont, dass solche Angriffsszenarien weiterhin unwahrscheinlich sind. Sie würden höchstwahrscheinlich nur bei gezielten Angriffen auf Personen eingesetzt, die für staatlich unterstützte Angreifer oder hochentwickelte kommerzielle Überwachungsunternehmen von besonderem Interesse sind.
Dennoch macht das potenziell schwerwiegende Schadensausmaß das Update für alle Nutzer wichtig.
Nutzer sollten auf Tails 7.10.1 aktualisieren
Nutzer von Tails sollten Version 7.10.1 so schnell wie möglich installieren.
Das Betriebssystem unterstützt sowohl automatische als auch manuelle Updates. Beide Methoden erhalten den verschlüsselten Persistent Storage auf dem USB-Stick.
Nutzer sollten Tails nur dann neu installieren, wenn es unbedingt erforderlich ist, da eine Neuinstallation die auf dem USB-Stick gespeicherten Daten löschen kann.
Wer Tails für sensible Tätigkeiten nutzt, sollte außerdem weiterhin vorsichtig mit unbekannten Websites, Downloads und Dateien umgehen. Sicherheitsupdates verringern zwar das Risiko, doch sicheres Surfverhalten und ein sorgfältiger Umgang mit Dokumenten bleiben unverzichtbar.


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