Das KI-Triage-Tool des NHS steht vor einer umfassenden Ausweitung, da der britische National Health Service den Einsatz künstlicher Intelligenz beschleunigt, um die Patientenversorgung zu verbessern und Wartezeiten zu verkürzen. Die Einführung ist Teil einer umfassenderen, von der britischen Regierung unterstützten Digitalisierungsstrategie. Dazu gehören auch KI-gestützte klinische Dokumentation, Microsoft Copilot und eine neue Patientenplattform, die den Zugang zu Gesundheitsdiensten erleichtern soll.
Nach Angaben der Verantwortlichen soll die Technologie Patienten schneller zur richtigen Versorgung führen und gleichzeitig den Verwaltungsaufwand für die Mitarbeiter des NHS verringern.
Das KI-Triage-Tool des NHS leitet Patienten an die richtige Versorgung weiter
Mit dem KI-Triage-Tool des NHS können Patienten ihre Symptome im Rahmen einer digitalen Bewertung beschreiben.
Auf Grundlage der Antworten stellt das System weitere Fragen, um ein genaueres Bild vom Gesundheitszustand des Patienten zu erhalten. Anschließend empfiehlt es die am besten geeignete medizinische Einrichtung.
Je nach Fall werden Patienten an ein Krankenhaus, einen Hausarzt, eine Apotheke oder einen lokalen Gesundheitsdienst überwiesen.
Ist eine weitere medizinische Behandlung erforderlich, stellt das Tool den Ärzten und Pflegekräften außerdem strukturierte Informationen zur Verfügung, damit sie die Behandlung besser priorisieren können.
Pilotprojekt in Sussex verkürzte telefonische Wartezeiten um 29 Prozent
Die Entscheidung zur Ausweitung des KI-Triage-Tools des NHS folgt auf ein erfolgreiches Pilotprojekt in Sussex.
Nach Angaben des NHS verkürzte der Test die telefonischen Wartezeiten um 29 Prozent. Die größten Verbesserungen wurden während der Stoßzeiten erzielt, wenn die Nachfrage nach Terminen am höchsten ist.
Der Gesundheitsdienst hofft, ähnliche Ergebnisse zu erzielen, sobald das System mehr Patienten in ganz England erreicht.
KI erstellt künftig auch klinische Dokumentationen
Der NHS führt außerdem ein weiteres KI-System ein, das Gespräche zwischen Patienten und medizinischem Personal aufzeichnet.
Die Technologie erstellt Live-Transkriptionen und generiert automatisch klinische Zusammenfassungen.
Dadurch können Ärzte und Pflegekräfte nach den Terminen weniger Zeit für Verwaltungsaufgaben aufwenden.
Eine vom Great Ormond Street Hospital geleitete Studie ergab, dass KI-gestützte Dokumentationswerkzeuge den Verwaltungsaufwand um rund 25 Prozent reduzierten.
Die eingesparte Zeit kann stattdessen für die Patientenversorgung genutzt werden.
NHS Online soll digitale Gesundheitsdienste ausbauen
Die britische Regierung plant außerdem die Einführung einer neuen digitalen Plattform mit dem Namen NHS Online.
Über diesen Dienst sollen Patienten in ganz England über eine einzige Anwendung mit medizinischem Fachpersonal kommunizieren können.
Außerdem sollen sie Folgetermine vereinbaren und Unterstützung bei Rehabilitations- und Trainingsprogrammen erhalten können.
Die Plattform soll ein zentraler Bestandteil der langfristigen Digitalstrategie des NHS werden.
Mehr als 500.000 Mitarbeiter erhalten Microsoft Copilot
Parallel zur Einführung des KI-Triage-Tools des NHS erhalten mehr als eine halbe Million NHS-Beschäftigte Zugang zu Microsoft Copilot.
Der KI-Assistent soll den Zeitaufwand für Verwaltungsaufgaben für berechtigte Mitarbeiter um durchschnittlich zwei Tage pro Monat reduzieren.
Copilot unterstützt das medizinische Personal beim Erstellen von Dokumenten, beim Zusammenfassen von Informationen und bei der effizienteren Analyse von Daten.
Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass diese Produktivitätsgewinne den Mitarbeitern mehr Zeit für die direkte Patientenversorgung verschaffen.
Investition von 10 Milliarden Pfund unterstützt den Ausbau von KI im NHS
Die Einführung der KI-Lösungen ist Teil eines umfassenderen Technologieprogramms der britischen Regierung.
In den kommenden drei Jahren sollen mehr als 10 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 13,3 Milliarden US-Dollar, in die Modernisierung des NHS investiert werden.
Nach Schätzungen der Regierung wird das Programm rund die Hälfte der Ziele des britischen Zehnjahresplans für das Gesundheitswesen erfüllen.
Darüber hinaus soll die Initiative in den kommenden zehn Jahren wirtschaftliche und betriebliche Vorteile im Wert von rund 41 Milliarden Pfund schaffen.
Jim Mackey, Chief Executive von NHS England, erklärte, das Technologieprogramm solle das Gesundheitswesen modernisieren, Wartelisten abbauen und die Versorgung von Millionen Patienten verbessern.
Landesweite Einführung bis 2028 geplant
Das KI-Triage-Tool des NHS soll innerhalb der nächsten zwölf Monate mehr als 200.000 Patienten erreichen.
Der NHS plant, die Technologie bis April 2028 allen Nutzern von NHS Online zur Verfügung zu stellen.
Sollte die landesweite Einführung ähnlich erfolgreiche Ergebnisse liefern wie das Pilotprojekt in Sussex, könnte KI künftig eine zentrale Rolle beim Zugang zur Gesundheitsversorgung spielen und dem NHS gleichzeitig helfen, die steigende Nachfrage effizienter zu bewältigen.


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