Der Aufstieg von KI in der Cybersicherheit verändert, wie Teams Bedrohungen erkennen und auf Vorfälle reagieren. Doch während Unternehmen KI-Tools einführen, warnen Branchenexperten davor, dass Juniorrollen zum Kollateralschaden werden könnten.

Eine neue globale Umfrage von ISC2 zeigt, dass KI zwar die Effizienz steigert, aber gleichzeitig Einstellungspläne durcheinanderbringt – insbesondere für Berufseinsteiger.

KI ist bereits im Einsatz – und funktioniert

Von 436 befragten Cybersicherheitsfachleuten gaben fast ein Drittel an, bereits KI-Tools in ihren täglichen Betrieb integriert zu haben. Weitere 42 % testen oder bewerten sie derzeit aktiv.

Große Unternehmen und datenintensive Branchen sind führend bei der Einführung. Industrieunternehmen und IT-Dienstleister dominieren, während Behörden und Finanzinstitute langsamer reagieren.

KI spielt mittlerweile eine zentrale Rolle in folgenden Bereichen:

  • Netzwerküberwachung und Erkennung von Eindringlingen (60 %)
  • Endpunktschutz und -reaktion (56 %)
  • Schwachstellenmanagement (50 %)
  • Bedrohungsmodellierung (45 %)
  • Sicherheitstests (43 %)

Die meisten Teams berichten von Leistungsverbesserungen in diesen Bereichen, insbesondere durch höhere Geschwindigkeit und Skalierbarkeit.

Druck auf Juniorrollen wächst

Mehr als die Hälfte der Befragten (52 %) glaubt, dass KI den Bedarf an Neueinsteigern verringern wird. Einer von fünf sagte, dass sich ihre Einstellungsstrategie bereits durch KI verändert habe.

Das stellt eine Herausforderung dar: Weniger Juniorrollen bedeuten auch weniger zukünftige Experten. Ohne erste Berufserfahrung haben Berufseinsteiger kaum Chancen, sich das praktische Wissen für mittlere und höhere Positionen anzueignen.

Ein Umfrageteilnehmer brachte es auf den Punkt:

„Man muss gehen, bevor man laufen kann. Die KI sprintet an den Juniors vorbei, bevor sie ihre Schuhe geschnürt haben.“

Ein anderer warnte, dass weniger Juniorstellen zu Überlastung bei Seniorpersonal, langsameren Reaktionszeiten und einer gefährlichen Qualifikationslücke in der Cybersicherheit führen könnten.

Neue Rollen könnten entstehen

Trotz der Bedenken herrscht nicht nur Pessimismus. Etwa 31 % glauben, dass KI neue Einstiegsrollen schaffen könnte – Positionen, die grundlegende Cyberkenntnisse mit KI-Verständnis kombinieren.

Beispiele für solche Rollen sind:

  • KI-unterstützter SOC-Analyst
  • Security Data Analyst für KI-Training
  • Assistent für Automatisierung und Sicherheitsorchestrierung
  • KI-Governance- oder Compliance-Beauftragter
  • Cloud-Sicherheits-Support-Analyst

Diese Jobs könnten Einstiegsmöglichkeiten für Nachwuchskräfte bieten und sie gleichzeitig auf eine KI-geprägte Zukunft vorbereiten.

Fazit

KI ist in der Cybersicherheit nicht mehr wegzudenken. Doch die Branche darf dabei nicht auf junge Talente verzichten. Geschwindigkeit und Skalierbarkeit sind wichtige Vorteile, doch sie müssen durch Ausbildung, Mentoring und zugängliche Einstiegsrollen ergänzt werden. Ohne eine stabile Nachwuchsförderung reichen selbst die intelligentesten Systeme nicht aus, um die Zukunft abzusichern.


0 Antworten zu „KI in der Cybersicherheit wird Juniorrollen nicht ersetzen, sagen Experten“