Ein 15-jähriger Schüler in Japan wurde festgenommen, nachdem er ChatGPT genutzt haben soll, um Code zu entwickeln, mit dem mehr als 46.000 Benutzerkonten auf der Anime-Streamingplattform von Bandai gelöscht wurden.
Nach Angaben der Behörden störte der Angriff den Dienst und zwang das Unternehmen dazu, seine Website vorübergehend abzuschalten, während Ermittler den Sicherheitsvorfall untersuchten.
ChatGPT soll bei Angriff auf Bandai-Konten eingesetzt worden sein
Die Polizei in Saitama nahm den Jugendlichen wegen mutmaßlicher Betrugsdelikte im Zusammenhang mit dem Cyberangriff fest.
Berichten zufolge schrieb der Verdächtige den ursprünglichen Quellcode selbst, griff später jedoch auf ChatGPT zurück.
Der Jugendliche soll den Ermittlern erklärt haben, dass die Fertigstellung des Programms zu lange gedauert habe. Deshalb habe ihm ChatGPT geholfen, den Code in einer anderen Programmiersprache neu zu schreiben.
Der Verdächtige erklärte außerdem, dass er keinen persönlichen Groll gegen den Streamingdienst hege. Stattdessen habe er den Angriff durchgeführt, weil das System leicht zugänglich gewesen sei.
Jugendlicher änderte IP-Adresse rund 30-mal
Die Ermittler gehen davon aus, dass der Jugendliche seine IP-Adresse etwa 30-mal wechselte, nachdem Bandai begonnen hatte, die Aktivitäten zu blockieren.
Durch die wiederholten Änderungen konnte der Angriff den Angaben zufolge trotz der Sicherheitsmaßnahmen des Unternehmens fortgesetzt werden.
Der erste Hinweis auf den Vorfall kam, als Bandai die Polizei in Tokio darüber informierte, dass Daten von fast 1,5 Millionen Konten offengelegt worden waren.
Laut The Asahi Shimbun ereignete sich der Vorfall im November vergangenen Jahres. Der Jugendliche wurde außerdem im Juni im Zusammenhang mit mehreren weiteren mutmaßlichen Cyberstraftaten festgenommen.
Autodidaktischer Programmierer nutzte KI-Unterstützung
Nach Angaben der Behörden brachte sich der Jugendliche bereits während der Grundschulzeit das Programmieren selbst bei.
Die Ermittler gehen davon aus, dass er seine Programmierkenntnisse mit der Unterstützung von ChatGPT kombinierte, um Software zu entwickeln, die auf die Server von Bandai zugreifen konnte.
Bandai erklärte, den Vorfall sehr ernst zu nehmen, und werde weiterhin regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen durchführen, um ähnliche Angriffe künftig zu verhindern.
Anime-Branche bleibt Ziel von Cyberangriffen
Der Fall um ChatGPT und die Bandai-Konten ist der jüngste in einer Reihe von Cybervorfällen, die Unternehmen der Anime-Branche getroffen haben.
Im März sollen Angreifer mit Verbindungen zur Gruppe ShinyHunters die zu Sony gehörende Anime-Streamingplattform Crunchyroll kompromittiert haben. Dabei wurden Berichten zufolge rund 100 GB an Daten offengelegt, darunter E-Mail-Adressen und Zahlungsinformationen.
Bereits im Oktober 2025 kompromittierten Hacker das Konto eines leitenden Mitarbeiters von Viz Media. Dabei sollen Geschäftspläne, Geheimhaltungsvereinbarungen und Sozialversicherungsnummern von Mitarbeitern offengelegt worden sein.
Der jüngste Vorfall zeigt, dass die Cybersicherheitsrisiken für Unternehmen der Anime- und Unterhaltungsbranche weiter zunehmen.


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