Die US-Regierung beschuldigt das chinesische KI-Unternehmen Moonshot AI, das Fable-Modell von Anthropic bei der Entwicklung von Kimi K3, seinem neuesten großen Sprachmodell, verwendet zu haben.

Michael Kratsios, ein hochrangiger Technologiebeamter der Trump-Regierung, erklärte, die US-Behörden verfügten über Informationen, die darauf hindeuteten, dass Moonshot AI Fable während der Entwicklung von Kimi K3 destilliert habe. Er bezeichnete die mutmaßliche Vorgehensweise als groß angelegten Versuch, proprietäre US-Technologie zu übernehmen.

Die Vorwürfe haben neue Bedenken hinsichtlich des Diebstahls geistigen Eigentums, des Wettbewerbs im KI-Bereich und der nationalen Sicherheit ausgelöst. Gleichzeitig prüfen die US-Behörden, Moonshot AI auf eine Handelsblacklist zu setzen und Sanktionen gegen das Unternehmen zu verhängen.

USA werfen Moonshot AI die Nutzung von Anthropics Fable vor

Kratsios erklärte, Moonshot AI habe angeblich Ausgaben des Fable-Modells von Anthropic genutzt, um Kimi K3 zu verbessern.

Unter KI-Destillierung versteht man das Training eines Modells anhand der Antworten eines anderen Modells. Entwickler nutzen diese Methode häufig, um kleinere und kostengünstigere KI-Systeme zu entwickeln. Umstritten wird sie jedoch, wenn Unternehmen ohne Erlaubnis auf das Modell eines Wettbewerbers zugreifen.

Laut Kratsios nutzte Moonshot AI die Destillierung, um von Anthropic entwickelte Fähigkeiten zu übernehmen. Die US-Behörden werteten ein solches Vorgehen als Versuch, die amerikanische KI-Forschung zu untergraben.

Moonshot AI äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Liu Chang, Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington, wies die Anschuldigungen jedoch zurück. Er erklärte, die Vorwürfe seien unbelegt, und betonte, China respektiere geistige Eigentumsrechte.

Finanzministerium prüft Sanktionen und Handelsblacklist

US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, die Regierung prüfe mögliche Maßnahmen gegen Moonshot AI.

Zu den möglichen Schritten gehören die Aufnahme des Unternehmens auf eine Handelsblacklist sowie die Verhängung von Sanktionen. Solche Beschränkungen könnten Moonshot AI den Zugang zu US-Technologie, Software und Geschäftspartnern erschweren.

Ein solcher Schritt würde die technologischen Spannungen zwischen den USA und China weiter verschärfen. Beide Länder investieren massiv in fortschrittliche KI-Systeme, die Regierungen zunehmend als entscheidend für Wirtschaftswachstum, Cybersicherheit und militärische Entwicklung ansehen.

Auch Sarah Heck, Leiterin für Public Policy bei Anthropic, warnte, dass der mutmaßliche Diebstahl amerikanischer KI-Modelle Risiken für die nationale Sicherheit der USA schaffen könnte.

Moonshot AI steht auch wegen Nvidia-Chips im Fokus

Kratsios behauptete außerdem, Moonshot AI habe Server mit Nvidias GB300-KI-Chips beschafft und diese in Thailand eingesetzt.

Seiner Aussage zufolge nutzte das Unternehmen die Hardware wahrscheinlich zum Training von KI-Modellen. Die Vorwürfe könnten zusätzliche Untersuchungen nach sich ziehen, da die US-Exportkontrollen Chinas Zugang zu fortschrittlichen KI-Chips einschränken.

Die US-Regierung hatte bereits zuvor ähnliche Bedenken gegenüber anderen chinesischen KI-Unternehmen geäußert. Im Februar behauptete ein hochrangiger Beamter der Trump-Regierung, DeepSeek habe ein aktuelles Modell mit Nvidias modernster Chiptechnologie trainiert.

Die US-Behörden haben bislang keine öffentlichen Beweise zur Untermauerung der jüngsten Vorwürfe gegen Moonshot AI vorgelegt.

Anthropic meldete bereits zuvor mutmaßlichen Missbrauch

Anthropic erklärte im Februar, dass drei chinesische KI-Unternehmen Claude missbräuchlich genutzt hätten, um ihre eigenen Modelle zu verbessern.

Das Unternehmen nannte DeepSeek, Moonshot AI und MiniMax. Nach Angaben von Anthropic erzeugten die Firmen über rund 24.000 gefälschte Konten mehr als 16 Millionen Interaktionen mit Claude.

Anthropic erklärte, dass diese Aktivitäten gegen die Nutzungsbedingungen des Unternehmens verstießen und regionale Zugriffsbeschränkungen umgingen.

Auch OpenAI hat US-Gesetzgeber davor gewarnt, dass chinesische Wettbewerber versuchen könnten, führende amerikanische KI-Modelle nachzubilden. Berichten zufolge äußerte das Unternehmen die Sorge, dass DeepSeek gezielt US-KI-Unternehmen ins Visier genommen habe, um Modellausgaben für das Training eigener Systeme zu sammeln.

Außenministerium warnte vor KI-Destillierung

Das US-Außenministerium soll Diplomaten im April angewiesen haben, auf den mutmaßlichen Diebstahl geistigen Eigentums durch chinesische KI-Unternehmen hinzuweisen.

Ein diplomatisches Schreiben warnte davor, dass unerlaubte KI-Destillierung ausländischen Unternehmen dabei helfen könne, Produkte zu entwickeln, die in ausgewählten Benchmarks zu deutlich geringeren Kosten konkurrenzfähig erscheinen.

Gleichzeitig betonte das Schreiben, dass solche Systeme nicht zwangsläufig die vollständigen Fähigkeiten des Originalmodells erreichen. Ein Modell könne Antworten in bestimmten Tests nachahmen, ohne die allgemeine Zuverlässigkeit, die Sicherheitsmaßnahmen und die Gesamtleistung des Originals zu reproduzieren.

Kimi K3 erscheint vor dem Hintergrund des wachsenden KI-Wettbewerbs

Moonshot AI veröffentlichte Kimi K3 kurz vor Bekanntwerden der Vorwürfe. Das Unternehmen beschreibt das Modell als Open-Weight-Modell mit 2,8 Billionen Parametern und erklärt, seine Leistung liege nahe an der des Fable-Modells von Anthropic.

Die Veröffentlichung zeigt, wie schnell chinesische KI-Unternehmen voranschreiten, insbesondere im Bereich der Open-Weight-Modelle. Gleichzeitig könnten die Vorwürfe der KI-Destillierung dazu führen, dass Kimi K3 verstärkt unter die Lupe der US-Behörden gerät.

Sollte Washington Sanktionen oder eine Aufnahme auf die Handelsblacklist beschließen, dürfte es für Moonshot AI deutlich schwieriger werden, Zugang zu wichtiger KI-Hardware und internationalen Technologiepartnern zu erhalten.


0 Kommentare zu „USA beschuldigt Moonshot AI, Anthropics Fable-Modell destilliert zu haben“