Ukrainische Behörden haben 94 betrügerische Callcenter geschlossen, denen Anlagebetrug, die Nachahmung von Banken und Betrug mithilfe von Fernzugriffstools vorgeworfen werden. Die landesweite Polizeiaktion umfasste 411 Durchsuchungen und führte zur Beschlagnahmung von Bargeld in Millionenhöhe, technischer Ausrüstung und Tools für den Zugriff auf Kryptowallets.
Große Polizeiaktion nimmt Betrugsnetzwerke ins Visier
Die ukrainische Nationalpolizei führte die Aktion gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst der Ukraine, der Generalstaatsanwaltschaft und der deutschen Polizei durch.
Beamte durchsuchten 94 mutmaßliche Callcenter im ganzen Land. Die Ermittlungen richteten sich gegen organisierte Netzwerke, die Opfer dazu gebracht haben sollen, Geld zu überweisen, Bankdaten preiszugeben oder Fernzugriffssoftware zu installieren.
Nach Angaben der Polizei gaben sich die Betrüger häufig als Bankmitarbeiter, Broker oder Polizeibeamte aus. In vielen Fällen warnten sie die Opfer vor angeblich verdächtigen Transaktionen und drohten damit, deren Konten zu sperren, wenn sie nicht schnell handelten.
Andere Betreiber warben für gefälschte Anlageplattformen und überzeugten Opfer davon, Geld an betrügerische Broker zu überweisen.
Callcenter nehmen Opfer in Europa ins Visier
Einige der betrügerischen Callcenter in der Ukraine sollen gezielt Menschen in Ländern der Europäischen Union angesprochen haben. Die Betreiber identifizierten Personen mit Interesse an Investitionen und leiteten sie anschließend auf gefälschte Handelsplattformen weiter.
Die Betrüger überzeugten Opfer außerdem davon, Fernzugriffstools auf ihren Smartphones oder Computern zu installieren. Dieser Zugriff konnte es ihnen ermöglichen, sensible Informationen einzusehen, Bankdaten zu stehlen oder die Kontrolle über Onlinekonten zu übernehmen.
Bei einer weiteren Methode boten die Betreiber Personen an, bereits durch frühere Betrugsfälle verlorenes Geld zurückzuholen. Stattdessen nutzten sie das Versprechen einer Rückerstattung, um die Opfer ein zweites Mal zu betrügen.
Die Polizei identifizierte außerdem Callcenter, die Produkte als medizinische Behandlungen vermarkteten, obwohl diese keine nachgewiesene medizinische Wirkung hatten.
Polizei beschlagnahmt Computer, Telefone und Bargeld
Bei den Razzien beschlagnahmten die Behörden 1.794 vollständig ausgestattete Arbeitsplätze und 3.336 Teile Computerausrüstung. Die Beamten stellten außerdem 1.346 Telefone, 5.200 SIM-Karten und 90 Bankkarten sicher.
Darüber hinaus fanden die Ermittler Zugriffstools für 20 Kryptowallets sowie 22 Fahrzeuge.
Die Polizei beschlagnahmte rund 2 Millionen US-Dollar, 64.000 Euro und weiteres Bargeld in ukrainischer Hrywnja. Außerdem stellten die Behörden etwa ein Kilogramm Anlagegold sicher, darunter Goldbarren und Schmuck.
Der Umfang der beschlagnahmten Ausrüstung deutet darauf hin, dass die Gruppen eine weitreichende und organisierte Betrugsinfrastruktur betrieben und nicht lediglich einzelne Betrugsaktionen durchführten.
Verdächtigen drohen bis zu 12 Jahre Haft
Die Behörden haben 26 Personen offiziell als Verdächtige in dem Fall eingestuft.
Den Beteiligten könnten nach dem ukrainischen Strafgesetzbuch Anklagen wegen groß angelegten Betrugs und Geldwäsche drohen. Für diese Straftaten sind Haftstrafen von bis zu zwölf Jahren sowie die Beschlagnahmung von Vermögenswerten möglich.
Die Ermittler führen nun forensische Untersuchungen der beschlagnahmten Geräte durch. Die Analysen könnten dabei helfen, Opfer zu identifizieren, deren finanzielle Verluste zu ermitteln und Beweise gegen Organisatoren, Geldkuriere und mutmaßliche Beteiligte an der Geldwäsche zu sichern.
Der Fall verdeutlicht die weiterhin große Reichweite von Betrugsoperationen über Callcenter. Die Täter kombinieren Social Engineering, gefälschte Anlagewebseiten und Fernzugriffstools, um Opfer über Ländergrenzen hinweg ins Visier zu nehmen.


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