Sicherheitsforscher haben eine kritische Schwachstelle in Unisoc-Modems offengelegt, die es einem Angreifer ermöglichen könnte, bestimmte günstige Android-Smartphones über einen schädlichen Videoanruf zu kompromittieren. Ein Proof of Concept soll auf Testgeräten von Realme, Xiaomi und Motorola Zugriff auf Kernel-Ebene ermöglicht haben.

Die Forscher nutzten eine kontrollierte VoLTE-Umgebung. Es bleibt unklar, ob derselbe Angriff auch in realen Mobilfunknetzen funktionieren würde.

Schwachstelle betrifft mehrere Unisoc-Chipsätze

Die Schwachstelle betrifft Modem-Firmware, die in den Unisoc-Chipsätzen T612, T616, T606 und T7250 zum Einsatz kommt. Diese Komponenten sind in zahlreichen Android-Smartphones der Einstiegsklasse großer Hersteller verbaut.

Die Forscher testeten den Exploit auf einem Realme C33 und bestätigten, dass er auch auf einem Xiaomi Redmi A5 und einem Motorola E13 funktionierte. Auf den getesteten Smartphones waren Android-Sicherheitsupdates von Januar 2026 beziehungsweise Februar 2025 installiert.

Die Schwachstelle im Unisoc-Modem ermöglicht es Code, der in der Modemumgebung ausgeführt wird, umfassenden Zugriff auf den Gerätespeicher zu erhalten. Ein Angreifer könnte anschließend möglicherweise den Android-Kernel verändern, also die zentrale Software, die das Betriebssystem steuert.

Angriff beginnt mit einem angenommenen Videoanruf

Laut der Veröffentlichung müsste ein Angreifer einen schädlichen Videoanruf an das Zielgerät tätigen. Der Exploit wird nur aktiviert, wenn der Empfänger den Anruf annimmt.

Die Forscher entwickelten und testeten ihren Proof of Concept mithilfe einer eigenen kontrollierten VoLTE-Infrastruktur und gerooteter Geräte. Sie testeten ihn nicht in realen Mobilfunknetzen.

Diese Einschränkung ist wichtig. Netzbetreiber könnten den ungewöhnlichen Signalisierungsverkehr, den der Angriff benötigt, blockieren, verändern oder ablehnen. Daher haben die Forscher nicht bestätigt, dass Kriminelle die Technik unter realen Bedingungen reproduzieren könnten.

Schwachstelle im gemeinsamen Speicher ermöglicht tieferen Zugriff

Die Schwachstelle entsteht durch eine unzureichende Trennung zwischen dem Speicher des Modems und dem Speicher des Android-Kernels.

Vereinfacht gesagt könnte Code, der im Modemkontext ausgeführt wird, auf geschützte Bereiche des Smartphone-Speichers zugreifen. Dadurch könnte ein Angreifer Sicherheitsmechanismen umgehen und kritische Android-Komponenten verändern.

Die potenziellen Auswirkungen sind schwerwiegend, da ein Zugriff auf Kernel-Ebene einem Angreifer ermöglichen könnte, dauerhafte Malware zu installieren, Geräteaktivitäten zu überwachen oder auf sensible Informationen zuzugreifen.

Die Forscher haben jedoch keine aktive Ausnutzung der Unisoc-Modem-Schwachstelle in realen Angriffen gemeldet.

Noch kein Patch oder CVE angekündigt

Der Forscher veröffentlichte den Sicherheitshinweis und den Proof-of-Concept-Code am 17. August 2026. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte die Schwachstelle keine CVE-Kennung, und es waren keine Informationen über einen Patch bekannt gegeben worden.

Der Forscher erklärte, dass Unisoc auf wiederholte Versuche zur Meldung der Schwachstelle per E-Mail und LinkedIn nicht reagiert habe.

Nutzer können nicht ohne Weiteres feststellen, ob ihr Smartphone ein betroffenes Modem enthält. Besitzer günstiger Android-Geräte sollten Android- und Mobilfunkanbieter-Updates installieren, unerwartete Videoanrufe nach Möglichkeit nicht annehmen und auf Sicherheitsupdates ihres Smartphone-Herstellers achten.


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