Eine Schwachstelle in HP ThinPro könnte es Personen mit physischem Zugriff auf bestimmte Thin Clients ermöglichen, die Festplattenverschlüsselung zu umgehen und sensible lokal gespeicherte Daten wiederherzustellen.
Forscher entdeckten das Problem in ThinPro 8 und 9, dem Linux-basierten Betriebssystem von HP für Thin-Client-Geräte in Unternehmensumgebungen. Die Schwachstelle betrifft die Art und Weise, wie das System seinen Startvorgang überprüft, bevor es einen Verschlüsselungsschlüssel freigibt.
Ein Angreifer müsste das Gerät physisch in Besitz haben und Zugriff auf dessen M.2-Speicherlaufwerk erhalten. Nach Angaben der Forscher erfordert der Angriff jedoch weder spezielle Hardware noch fortgeschrittenes Reverse Engineering.
Überprüfungen beim Systemstart lassen eine Lücke
HP ThinPro verwendet LUKS zur Verschlüsselung seiner Root-Partition. Der Verschlüsselungsschlüssel befindet sich im Trusted Platform Module, TPM, des Geräts, das sensible kryptografische Daten schützen soll.
Das TPM überprüft mehrere frühe Komponenten der Startkette, darunter Firmware, UEFI-Treiber und den GRUB-Bootloader. Die Forscher stellten jedoch fest, dass nicht jede Datei überprüft wird, die nach diesem Schritt geladen wird.
Einige spätere Komponenten des Startvorgangs bleiben unverschlüsselt. Ein Angreifer mit physischem Zugriff könnte eine dieser Dateien verändern und das System dazu bringen, den Entschlüsselungsschlüssel beim nächsten Start offenzulegen.
Diese Schwachstelle untergräbt den Zweck einer vollständigen Festplattenverschlüsselung. Obwohl das TPM den Schlüssel zunächst schützt, kann eine unvollständige Überprüfung der Startkette dazu führen, dass ein manipulierter Startvorgang darauf zugreifen kann.
Forscher testeten den Angriff auf zwei Geräten
Die Forscher bestätigten die HP-ThinPro-Schwachstelle auf einem HP t530 mit ThinPro 8.1.0 Build 22 und einem HP t540 mit ThinPro 9.0.0 Build 15.
Für den Angriff muss ein Angreifer das M.2-Laufwerk entfernen, Daten auf einer unverschlüsselten Boot-Partition verändern und das Laufwerk wieder in das Gerät einsetzen. Nach dem Start des Geräts kann der Angreifer den freigegebenen Verschlüsselungsschlüssel abrufen und auf den geschützten Speicher zugreifen.
Thin-Client-Systeme sind häufig stärker auf entfernte Infrastruktur als auf lokalen Speicher angewiesen. Dennoch können sie WLAN-Zugangsdaten, Passwörter, Konfigurationsprofile und andere Informationen speichern, die einem Eindringling helfen könnten, Zugriff auf ein größeres Unternehmensnetzwerk zu erhalten.
Damit ist das Problem für Organisationen relevant, die Thin Clients in Callcentern, Gesundheitseinrichtungen, Finanzdienstleistungen, Behördenumgebungen und anderen virtuellen Desktop-Infrastrukturen einsetzen.
HP hatte noch keinen Patch veröffentlicht
Die Forscher meldeten das Problem am 22. Februar 2026 an HP. HP bestätigte die Meldung und gab an, die Schwachstelle beheben zu wollen.
Die 90-tägige Offenlegungsfrist verstrich jedoch ohne Veröffentlichung eines Patches. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung war dem Problem außerdem noch keine CVE-Kennung zugewiesen worden.
Secure Boot ist auf den betroffenen ThinPro-Systemen standardmäßig deaktiviert. Laut dem Bericht führen die BIOS-Einstellungen von HP die Funktion für andere Betriebssysteme als Windows als nicht unterstützt auf.
Sicherheitsteams können das Risiko verringern, indem sie ein BIOS-Passwort festlegen und Secure Boot nach Möglichkeit aktivieren. Diese Maßnahmen können einen Angriff erschweren, beheben das zugrunde liegende Problem jedoch nicht vollständig.
Fazit
Die Schwachstelle in HP ThinPro zeigt, warum eine Festplattenverschlüsselung die gesamte Startkette überprüfen muss. Organisationen sollten anfällige Geräte als gefährdet betrachten, sobald sie sich nicht mehr unter ihrer physischen Kontrolle befinden, und die Speichermedien bei der Entsorgung oder dem Austausch schützen oder sicher vernichten.


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