Ein in Russland ansässiges Entwicklerteam nutzte Anthropics Claude AI, um Software für autonome Angriffsdrohnen zu entwickeln, wie aus einem neuen Bericht des Unternehmens hervorgeht. Das geplante System soll in der Lage gewesen sein, Ziele, darunter auch Menschen, auszuwählen und ohne menschliche Genehmigung zu detonieren.
Anthropic legte die Aktivitäten in einem 154-seitigen Bericht offen, der untersucht, wie Bedrohungsakteure Claude missbrauchen. Das Unternehmen sperrte daraufhin neun mit dem Projekt verbundene Konten.
Entwickler nutzten Claude Code für das Drohnenprojekt
Anthropic verfolgte die Gruppe unter der Bezeichnung GTG-27005 und beschrieb ihre Mitglieder als wahrscheinlich in Russland ansässige freiberufliche Entwickler. Das kleine Team nutzte Claude Code, um Software zu schreiben und zu testen, bevor sie direkt in den Projektdateien gespeichert wurde.
Die Entwickler verwendeten außerdem Simulationstools, um das System zu testen. Darüber hinaus mieteten sie Rechenressourcen, um die erforderlichen KI-Modelle zu trainieren.
Die Operation begann Berichten zufolge Mitte Mai 2026 unter den Namen DronDoc und Serafim. Die beteiligten Personen hatten ihre Claude-Konten jedoch bereits zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 erstellt.
Laut Anthropic umgingen die Entwickler geografische Beschränkungen, indem sie ihre Verbindungen über kommerzielle virtuelle private Server leiteten.
Claude half bei der Entwicklung autonomer Schwarmtechnologie
Das Team nutzte Claude, um Funktionen für einen gemeinsamen Speicher und eine fehlertolerante Koordination von Drohnenschwärmen zu entwickeln. Diese Funktionen würden es mehreren Drohnen ermöglichen, Informationen auszutauschen und weiterhin gemeinsam zu operieren, wenn einzelne Einheiten ausfallen.
Die Entwickler erstellten außerdem ein kleines Sprachmodell für den Einsatz direkt an Bord. Dieses sollte entscheiden, ob eine Drohne angreifen, ein Gebiet überwachen oder zu ihrer Basis zurückkehren sollte.
Anthropic zufolge konnte das Zielsystem selbstständig ein Ziel auswählen und einen Detonationsbefehl erteilen. Die geplante Plattform würde daher keine Genehmigung des finalen Angriffs durch einen menschlichen Bediener erfordern.
Projektdateien beschrieben das System als für autonome tödliche Einsätze geeignet. Darüber hinaus wurden Menschen ausdrücklich in der Liste möglicher Zielkategorien genannt.
Ukrainische Kampfaufnahmen trainierten das Zielsystem
Die Entwickler trainierten einen Computer-Vision-Klassifikator mit ukrainischen Kampfaufnahmen, die online gesammelt worden waren. Sie kennzeichneten Objekte entweder als freundlich oder feindlich und setzten russische Militärsysteme auf eine Liste genehmigter Objekte.
Anthropic fand im gesamten Projekt außerdem Hinweise auf Orte in der Ukraine. Das Team wählte wiederholt einen Standort in der Region Donezk als Demonstrationspunkt für einen Angriff aus.
Gleichzeitig tauchten ukrainische Frontstädte und Transportkorridore in der geplanten Einsatzgeografie auf. Diese Details deuten darauf hin, dass die Entwickler die Technologie in Szenarien mit Bezug zum Krieg demonstrieren oder testen wollten.
Anthropic fand Verbindungen zu russischen Institutionen
Anthropic identifizierte neun Konten, die mit der Operation in Verbindung standen. Das Unternehmen brachte einige der Entwickler mit einer regionalen Universität und einem föderalen Forschungszentrum mit Verbindungen zur Russischen Akademie der Wissenschaften in Verbindung.
Anthropic stufte die Gruppe jedoch nicht als russische staatliche Organisation ein. Stattdessen ging das Unternehmen davon aus, dass die Akteure wahrscheinlich zu einem kleinen spezialisierten Freelancer-Team gehörten, das sowohl zivile als auch militärische Aufträge ausführte.
Die Entwickler behaupteten, mehrere russische Institutionen hätten das Projekt finanziert. Sie nannten die Advanced Research Foundation, die National Technology Initiative und das russische Verteidigungsministerium.
Anthropic konnte diese Angaben zur Finanzierung jedoch nicht bestätigen. Das Unternehmen hat inzwischen alle neun mit dem Claude-Projekt für autonome Drohnen verbundenen Konten entfernt.
KI-Missbrauch geht über Drohnenentwicklung hinaus
Anthropics Bericht beschrieb außerdem, wie mit Russland verbundene Gruppen künstliche Intelligenz bei Operationen gegen die Ukraine einsetzen. Diese Kampagnen richteten sich mit verschiedenen Methoden gegen Regierungsvertreter und Militärpersonal.
Zu den beobachteten Aktivitäten gehörten Phishing, die Verbreitung von Malware, kompromittierte WLAN-Netzwerke in Hotels und die Übernahme von WhatsApp-Konten. Die Ergebnisse zeigen, wie Bedrohungsakteure allgemeine KI-Tools sowohl für Cyberoperationen als auch für die Entwicklung physischer Waffensysteme einsetzen können.


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