Ein ehemaliger Ransomware-Verhandler ist zu 70 Monaten Bundeshaft verurteilt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft half er BlackCat-Affiliates heimlich dabei, von ihren Opfern höhere Lösegeldzahlungen zu erpressen.

Der 41-jährige Angelo Martino arbeitete für ein Unternehmen, das auf die Reaktion auf Cybervorfälle spezialisiert war. Seine Position verschaffte ihm Zugang zu vertraulichen Informationen über laufende Ransomware-Verhandlungen.

Anstatt seine Kunden zu schützen, gab er diese Informationen an die Angreifer weiter. Die BlackCat-Affiliates nutzten die Daten anschließend, um den Druck auf die Opfer zu erhöhen und höhere Lösegeldforderungen zu stellen.

Ransomware-Verhandler gab Verhandlungsstrategien der Opfer weiter

Nach Angaben des US-Justizministeriums begann Martino im April 2023 mit BlackCat-Affiliates zusammenzuarbeiten.

Als Ransomware-Verhandler wusste er, wie die Opfer auf die Verhandlungen reagieren wollten. Außerdem kannte er den Betrag, den sie möglicherweise zu zahlen bereit waren.

Die Staatsanwaltschaft wirft Martino vor, diese Informationen an die Angreifer weitergegeben zu haben. Dadurch konnten sie ihre Forderungen während der Verhandlungen gezielt anpassen.

Die Behörden bringen das Vorgehen mit fünf Ransomware-Opfern in Verbindung. Für seine Unterstützung soll Martino außerdem von den Cyberkriminellen bezahlt worden sein.

US-Staatsanwalt Jason A. Reding Quiñones erklärte, Martino habe Organisationen in einer schweren Krisensituation verraten. Die Opfer hätten ihn beauftragt, die Folgen der Cyberangriffe zu begrenzen.

Stattdessen übermittelte er ihre vertraulichen Verhandlungspositionen an die Personen, die sie erpressten.

Martino beteiligte sich später an BlackCat-Angriffen

Die Ermittler erklärten, Martino sei schließlich über die Weitergabe interner Informationen hinausgegangen.

Gemeinsam mit Kevin Martin (36) aus Texas und Ryan Goldberg (41) aus Georgia soll er BlackCat-Ransomware-Angriffe gegen weitere Organisationen durchgeführt haben.

Die Angriffe fanden zwischen April und November 2023 statt.

In einem Fall erhielt die Gruppe rund 1,2 Millionen US-Dollar in Bitcoin. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft teilten die drei Männer das Geld unter sich auf und wuschen anschließend die Erlöse.

Martin und Goldberg waren bereits zuvor zu 48 Monaten Haft verurteilt worden.

Der stellvertretende US-Justizminister A. Tysen Duva erklärte, mehrere Opfer hätten beinahe ihre Unternehmen verloren. Sie hätten Cybersicherheitsexperten engagiert, um Hilfe zu erhalten.

Stattdessen sollen dieselben Personen mit den Betreibern der Ransomware zusammengearbeitet haben.

Vermögenswerte im Wert von mehr als 10 Millionen US-Dollar beschlagnahmt

Die Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmten Vermögenswerte im Wert von mehr als 10 Millionen US-Dollar, die mit Martino in Verbindung stehen.

Zu den beschlagnahmten Gegenständen gehörten Kryptowährungen, Fahrzeuge, ein Foodtruck und ein luxuriöses Sportfischerboot.

Für den 17. September ist eine Anhörung zur Entschädigung der Opfer angesetzt. Das Gericht wird dabei entscheiden, welchen Betrag Martino zurückzahlen muss.

BlackCat griff mehr als 1.000 Opfer an

Der Fall ist Teil der umfassenderen Maßnahmen der USA gegen das BlackCat-Ransomware-Netzwerk.

BlackCat ist auch unter den Namen ALPHV und Noberus bekannt. Nach Angaben der Behörden hat die Gruppe weltweit mehr als 1.000 Opfer angegriffen.

Die Gruppe arbeitete nach dem Modell Ransomware-as-a-Service (RaaS). BlackCat stellte die Schadsoftware und die technische Infrastruktur bereit, während angeschlossene Affiliates die Angriffe ausführten.

Die Affiliates wählten ihre Ziele aus und führten anschließend die Angriffe durch.

BlackCat setzte in der Regel auf doppelte Erpressung. Die Angreifer stahlen zunächst sensible Daten ihrer Opfer.

Anschließend verschlüsselten sie deren Systeme und verlangten Geld – sowohl für den Entschlüsselungsschlüssel als auch für das Versprechen, die gestohlenen Daten nicht zu veröffentlichen.

FBI schlug gegen BlackCat-Infrastruktur zu

Das FBI störte im Dezember 2023 Teile der BlackCat-Infrastruktur.

Ermittler verschafften sich Zugang zu den Systemen der Gruppe und beschlagnahmten mehrere von der Ransomware-Bande genutzte Websites. Die Operation führte außerdem zur Entwicklung eines Entschlüsselungswerkzeugs für die Opfer.

Hunderte betroffene Organisationen erhielten das Tool. Dadurch konnten sie ihre verschlüsselten Daten wiederherstellen, ohne Lösegeld zu zahlen.

Nach Schätzungen des US-Justizministeriums verhinderte das Werkzeug Lösegeldzahlungen in Höhe von rund 99 Millionen US-Dollar.

Die Behörden erklärten, die Aktion habe Unternehmen, Schulen, Krankenhäusern und Rettungsdiensten geholfen, ihren Betrieb schneller wieder aufzunehmen.

Die Verurteilung des ehemaligen Ransomware-Verhandlers zeigt außerdem, welche Risiken von illoyalen Insidern ausgehen. In diesem Fall wurden vertrauliche Kundendaten zu einer weiteren Waffe in den Händen der Angreifer.


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