Ein Gericht in New South Wales hat eine ungewöhnliche Selfie-Regel als Ersatz für elektronische Fußfesseln zur Kautionsüberwachung eingeführt. Dies geschah nach dem plötzlichen Zusammenbruch des privaten Unternehmens, das in dem Bundesstaat elektronische Fußfesselüberwachung bereitstellte. Die Behörden mussten nahezu über Nacht neue Kontrollmethoden einführen.
Von der Fußfessel zu stündlichen Fotos
Monatelang lebte der des Mordes beschuldigte Ayman Manly unter strengen Kautionsauflagen, darunter Hausarrest und einer Kautionssumme von 5 Millionen Dollar. Als Teil der Auflagen trug er eine elektronische Fußfessel, die seine Bewegungen in Echtzeit überwachte. Dies änderte sich abrupt, als der Geräteanbieter den Betrieb einstellte, woraufhin die Regierung von NSW die Fußfesselüberwachung vollständig abschaffte. Alle Geräte sollen nun bis spätestens 12. September 2025 entfernt werden.
Richter Richard Weinstein ordnete an, dass Manly stattdessen zwischen 8:00 und 20:00 Uhr jede Stunde ein klares Selfie an die Polizei senden muss. Um den Standort zu bestätigen, muss Manly zudem ein iPhone mit aktivierter „Mein iPhone suchen“-Funktion ständig bei sich tragen. Er muss das Gerät stets geladen halten und griffbereit haben.
Zweifel an der Zuverlässigkeit
Kritiker stellen die Wirksamkeit der Selfie-Regel infrage. Stündliche Selfies liefern zwar einen gewissen Nachweis der Einhaltung, können jedoch inszeniert, manipuliert oder verzögert werden. Anders als eine Fußfessel liefern Selfies keine kontinuierlichen, manipulationssicheren Standortdaten. Rechtsexperten warnen, dass diese Maßnahme stark vom Mitwirken des Beschuldigten und einer zeitnahen Prüfung der Bilder durch die Polizei abhängt.
Warum NSW die Änderung vornahm
Die Behörden hatten nur wenige Alternativen, als die Fußfesselüberwachung nicht mehr verfügbar war. Der Zusammenbruch des Anbieters ließ Hunderte von Fällen ohne funktionierende Überwachung zurück, was einen dringenden Bedarf an Ersatzmaßnahmen schuf. Stündliche Selfies wurden als vorübergehender Kompromiss gewählt, der sofort ohne neue Hardware oder Infrastruktur umgesetzt werden konnte.
Fazit
Die Selfie-Regel als Ersatz für Fußfesseln verdeutlicht die Herausforderungen, die mit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit bei plötzlichen Ausfällen polizeilicher Technologien verbunden sind. Obwohl die Maßnahme eine kurzfristige Lösung darstellt, ist ihre langfristige Wirksamkeit noch nicht erwiesen. Während NSW die Fußfesseln abschafft, werden andere Gerichtsbarkeiten genau beobachten, ob dieser ungewöhnliche Ansatz den Anforderungen der Praxis standhalten kann.


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