Das US-Justizministerium hat 17 iranische Staatsangehörige wegen einer mutmaßlichen Hacker-Kampagne angeklagt, bei der akademische Forschung, geistiges Eigentum und andere geschützte Daten von Organisationen weltweit gestohlen worden sein sollen.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Hackern des Mabna Institute vor, die Operation über mehrere Jahre im Auftrag der Islamischen Revolutionsgarde des Iran, anderer iranischer Regierungsstellen, Universitäten und privater Kunden durchgeführt zu haben.
Der Fall erweitert die erstmals 2018 bekannt gegebenen Anklagen. Neun Beschuldigte wurden bereits in der damaligen Anklageschrift genannt, während die jüngste erweiterte Anklageschrift acht weitere Personen aufführt.
Mabna-Institute-Hacker sollen Professoren weltweit ins Visier genommen haben
Nach Angaben des Justizministeriums begann die Kampagne etwa 2013 und dauerte mindestens bis Dezember 2017. Die mutmaßlichen Hacker nahmen weltweit mehr als 100.000 Konten von Professoren ins Visier und kompromittierten etwa 8.000 davon.
Sie sollen gestohlene Zugangsdaten verwendet haben, um in Universitätssysteme einzudringen und auf Fachzeitschriften, Abschlussarbeiten, Dissertationen, E-Books und Forschungsergebnisse aus zahlreichen Fachgebieten zuzugreifen.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stahl die Gruppe mindestens 31,5 Terabyte an akademischen Daten und geistigem Eigentum. Universitäten in den USA sollen mehr als 3,4 Milliarden Dollar ausgegeben haben, um das betroffene Forschungsmaterial und die Daten zu beschaffen oder darauf zuzugreifen.
Laut Anklageschrift traf die Kampagne 144 Universitäten in den USA und 178 Universitäten im Ausland. Zu den Zielen gehörten außerdem mindestens 42 US-Unternehmen aus dem privaten Sektor, 11 ausländische Unternehmen, Regierungsbehörden und Nichtregierungsorganisationen.
Gestohlene Zugänge sollen iranischen Kunden gedient haben
US-Behörden behaupten, dass das Mabna Institute als Hacker-for-Hire-Unternehmen tätig war. Die mutmaßliche Operation soll sowohl iranische staatsnahe Einrichtungen als auch Universitäten im Land und zahlende Kunden bedient haben.
Die Gruppe soll gestohlene akademische Ressourcen über iranische Websites verkauft haben. Kunden konnten Berichten zufolge Forschungsmaterial erwerben oder kompromittierte Professorenkonten nutzen, um auf die Bibliothekssysteme von Universitäten zuzugreifen.
Das Justizministerium bringt mehrere der Angeklagten außerdem mit Angriffen auf private Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in Verbindung. Diese Vorfälle sollen unter anderem Password-Spraying-Angriffe, Phishing-Kampagnen und Datendiebstahl umfasst haben.
Eine der in der Mitteilung genannten Organisationen war HBO. Die Staatsanwaltschaft wirft Behzad Mesri und mehreren weiteren Angeklagten vor, an dem Angriff auf die Systeme des Medienunternehmens beteiligt gewesen zu sein. Mesri wurde bereits zuvor separat beschuldigt, versucht zu haben, HBO um rund 6 Millionen Dollar in Bitcoin zu erpressen.
USA bieten Belohnungen von bis zu 10 Millionen Dollar
Den Angeklagten werden unter anderem Verschwörung zu Computereinbrüchen, elektronischer Betrug, unbefugter Zugriff zum finanziellen Vorteil und schwerer Identitätsdiebstahl vorgeworfen.
Für mehrere Anklagepunkte drohen mögliche Haftstrafen von bis zu 20 Jahren. Über ein mögliches Strafmaß entscheidet jedoch ein Gericht, falls es zu Verurteilungen kommt.
Unterdessen hat das Rewards-for-Justice-Programm des US-Außenministeriums eine Belohnung von bis zu 10 Millionen Dollar für Informationen ausgesetzt, die zum Aufenthaltsort von fünf Angeklagten führen: Behzad Mesri, Mojtaba Galekuhi, Arman Kahzadian, Keyvan Fayaz und Saber Shahbazi Ballojeh.
Bei den Vorwürfen handelt es sich weiterhin um Anschuldigungen. Alle Angeklagten gelten als unschuldig, solange ihre Schuld nicht vor Gericht bewiesen wurde.


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