Vercel hat eine KVM-Zero-Day-Schwachstelle bestätigt, die über das Sandbox-Bug-Bounty-Programm des Unternehmens entdeckt wurde. Der Sicherheitsforscher Paulos Yibelo erklärt, dass die Schwachstelle es ihm ermöglichte, aus einer virtuellen Gastmaschine auszubrechen und Root-Zugriff auf das Hostsystem zu erhalten.
Der Fund wirft Bedenken hinsichtlich der Isolation zwischen Cloud-Workloads auf. In den öffentlichen Angaben werden jedoch bislang weder die betroffenen Softwareversionen noch der anfällige Codepfad oder die genauen Bedingungen für eine Ausnutzung genannt.
Es wurden keine bestätigten Angriffe gemeldet, bei denen die Schwachstelle ausgenutzt wurde. Eine technische Erklärung soll Berichten zufolge noch folgen.
Forscher berichtet über Zugriff außerhalb der Gastumgebung
KVM, kurz für Kernel-based Virtual Machine, stellt Virtualisierungsfunktionen innerhalb von Linux bereit. Cloud-Umgebungen nutzen die Technologie, um separate virtuelle Maschinen auf gemeinsam genutzter physischer Infrastruktur auszuführen.
Diese Grenzen sollen verhindern, dass ein Workload innerhalb einer virtuellen Maschine das Hostsystem kontrollieren kann. Yibelo erklärt jedoch, dass seine Entdeckung diese Trennung durchbricht.
Eine vom Forscher geteilte Bug-Bounty-Mitteilung beschreibt einen Ausbruch aus einer microVM auf einen EC2-Host. Darin werden außerdem potenzielles Lesen und Verändern von Daten über verschiedene Mandanten hinweg sowie die Ausführung von Remote-Code genannt.
Diese gemeldeten Möglichkeiten deuten auf eine schwerwiegende Kompromittierung der betroffenen Umgebung hin. Die verfügbaren Informationen belegen jedoch nicht, dass alle KVM-Installationen gleichermaßen betroffen sind.
Technische Details lassen das größere Ausmaß unklar
Vercel Sandbox läuft auf physischen Amazon-EC2-Hosts und nutzt KVM zusammen mit Firecracker, einer Open-Source-microVM-Technologie.
Vercel bestätigte die Entdeckung, doch die öffentliche Mitteilung erklärt nicht, wie der Forscher die Isolationsgrenze überwinden konnte. Auch die Rolle einzelner Komponenten und Bereitstellungseinstellungen bleibt unklar.
Zum Zeitpunkt der Offenlegung enthielt der Bericht weder eine öffentliche CVE-Kennung noch eine Liste der betroffenen Versionen. Andere Betreiber können daher allein anhand der Mitteilung nicht feststellen, ob ihre Systeme betroffen sind.
Root-Zugriff auf ein Hostsystem könnte andere Workloads auf derselben Maschine gefährden. Das Ausmaß möglicher Auswirkungen über verschiedene Mandanten hinweg hängt jedoch von der betroffenen Konfiguration und den Voraussetzungen für die Ausnutzung ab.
Die KVM-Zero-Day-Schwachstelle erfordert daher Aufmerksamkeit, ohne dass damit eine Kompromittierung der Cloud-Infrastruktur in der gesamten Branche belegt wäre.
Belohnung von 50.000 Dollar stößt auf Kritik
Yibelo erhielt für die Entdeckung 50.000 Dollar, die höchste Einzelprämie im Rahmen der angekündigten Hacking-Challenge von Vercel Sandbox mit einem Gesamtvolumen von 1 Million Dollar.
Einige Sicherheitsexperten stellten infrage, ob die Zahlung der potenziellen Bedeutung des Fundes entsprach. Ihre Kritik konzentrierte sich auf den Wert von Schwachstellen, die die Isolation zwischen Cloud-Workloads untergraben.
Zum Vergleich erhielt der Forscher Hyunwoo Kim zuvor 250.000 Dollar über Googles KVMCTF-Programm für einen separaten Guest-to-Host-Ausbruch namens Januscape.
Die beiden Belohnungen stammten jedoch aus unterschiedlichen Programmen. Die verfügbaren Angaben belegen außerdem nicht, dass die Schwachstellen identische Voraussetzungen oder Auswirkungen hatten.
Vorschlag für gemeinsame Finanzierung rückt Forschungsanreize in den Fokus
Vercels Chief Technology Officer Malte Ubl schlug die Einrichtung eines Fonds für Entdeckungen vor, die Infrastruktur betreffen, welche von vielen Organisationen genutzt wird.
Ein solcher Ansatz könnte die Kosten für Belohnungen auf Unternehmen verteilen, die von der Forschung profitieren. Yibelo unterstützte die Idee und argumentierte, dass stärkere Anreize Forscher dazu ermutigen könnten, schwerwiegende Schwachstellen offenzulegen.
Unterdessen bleiben die unmittelbaren technischen Fragen unbeantwortet. Eine umfassendere Offenlegung würde dabei helfen festzustellen, welche Systeme anfällig sind, welche Voraussetzungen für eine Ausnutzung bestehen und wie Betreiber das Problem beheben können.


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