Die Hackerangriffe auf Taiwans Halbleiterindustrie eskalieren, da China-nahe Cybergruppen ihre Spionageaktivitäten gegen Chiphersteller und Finanzanalysten verstärken. Das geht aus einem neuen Bericht des Cybersicherheitsunternehmens Proofpoint hervor.

Zwischen März und Juni 2025 führten mindestens drei mit China verbundene Hackergruppen koordinierte Angriffe auf Designfirmen, Hersteller und verwandte Organisationen in Taiwans Halbleiterbranche durch. Einige dieser Kampagnen sind vermutlich noch aktiv.

Eine neue Welle gezielter Angriffe

Laut Forschern markiert diese Angriffswelle eine neue Phase in Bezug auf Umfang und Intensität. „Wir sehen jetzt Ziele, die zuvor nie betroffen waren“, erklärte Mark Kelly, Threat Researcher bei Proofpoint.

Berichten zufolge nahmen die Angreifer rund 15 bis 20 Organisationen ins Visier, darunter kleine Unternehmen, globale Konzerne und Analysten internationaler Banken. Die genauen Zielunternehmen wurden nicht benannt, dürften jedoch zentrale Akteure im taiwanesischen Chip-Ökosystem sein.

Große Player wie TSMC, MediaTek, UMC, Nanya und RealTek wollten sich nicht äußern oder reagierten nicht auf Anfragen.

Phishing, Fake-Firmen und Malware

Die Angriffe umfassten ausgeklügelte Social-Engineering-Taktiken. In einer Kampagne verschickten Angreifer infizierte PDF-Dateien und gaben sich als Arbeitssuchende mit kompromittierten E-Mail-Adressen taiwanesischer Universitäten aus. In einem anderen Fall trat eine Gruppe als angebliches Investmentunternehmen auf und kontaktierte Finanzanalysten aus dem Chipsektor.

Der Umfang der Angriffe variierte: Manche umfassten nur wenige gezielte E-Mails, andere bis zu 80 Nachrichten, um die Verteidigungssysteme der Unternehmen zu überwinden.

Auch das taiwanesische Cybersicherheitsunternehmen TeamT5 verzeichnete eine Zunahme an Phishing-Kampagnen gegen Halbleiterzulieferer. Eine Gruppe namens „Amoeba“, die mit China in Verbindung steht, griff kürzlich ein Chemieunternehmen an, das eine Schlüsselrolle in der Chip-Lieferkette spielt.

Geopolitische Spannungen im Hintergrund

Der Anstieg der Angriffe fällt in eine Zeit wachsender Spannungen zwischen den USA und China in der Technologiebranche. Die USA verschärfen weiterhin die Exportbeschränkungen für Chips nach China – und erhöhen damit die strategische Bedeutung der taiwanesischen Chipkapazitäten. China wiederum strebt danach, seine Abhängigkeit von US-nahen Komponenten zu verringern – insbesondere bei KI-Technologien.

Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington erklärte, China lehne Cyberangriffe ab. Dennoch sehen Experten in den Aktivitäten staatlich unterstützte Versuche, sich einen technologischen Vorteil zu verschaffen.

Fazit

Der Anstieg der Hackerangriffe auf Taiwans Halbleiterbranche zeigt eine neue strategische Ausrichtung chinesischer Cybergruppen. Angesichts des zunehmenden geopolitischen Drucks und der Bedeutung der Chip-Lieferketten dürfte diese Entwicklung nicht abreißen. Unternehmen im Halbleitersektor müssen wachsam bleiben – und sich auf noch ausgefeiltere Bedrohungen einstellen.


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