Ein neuer Remote-Access-Trojaner namens Dolphin X behauptet, künstliche Intelligenz einzusetzen, um nach einer Infektion hochwertige Opfer zu identifizieren und zu priorisieren.
Die Malware enthält eine Funktion namens AI Profiler, die auf kompromittierten Geräten gesammelte Informationen analysiert, Risikobewertungen vergibt und Angreifern dabei helfen soll, zu entscheiden, welche Opfer zuerst ins Visier genommen werden.
Ein Sicherheitsforscher untersuchte das Betreiberpanel von Dolphin X, den Malware-Builder sowie den zugehörigen Netzwerkverkehr in einer isolierten Umgebung. Die Analyse umfasste jedoch keine aktive Malware-Probe auf einem infizierten System.
AI Profiler priorisiert infizierte Opfer
Dolphin X wird von einem Anbieter mit dem Alias „Kontraktnik“ in einem Cybercrime-Forum als All-in-One-Remote-Access-Trojaner beworben.
Das Betreiberpanel listet 329 Funktionen in zehn Kategorien auf. Eine dieser Funktionen, AI Profiler, befindet sich im Bereich zur Überwachung.
Das Werkzeug soll die Nutzung von Anwendungen, Risikobewertungen und tägliche Aktivitätszusammenfassungen erfassen. Außerdem kann es Browser-Domänen, installierte Software und Opfer-Tags auswerten, um priorisierte Profile zu erstellen.
Dieser Ansatz könnte Angreifern helfen, die großen Datenmengen zu bewältigen, die von Malware zum Diebstahl von Zugangsdaten gesammelt werden. Anstatt jedes kompromittierte System manuell zu überprüfen, können Betreiber Systeme priorisieren, die möglicherweise Zugang zu Unternehmensnetzwerken, Cloud-Umgebungen, Kryptowährungskonten oder Produktionssystemen bieten.
Das Panel erstellt tägliche Zusammenfassungen, in denen Opfer nach ihrem vermuteten Wert eingestuft werden.
Technische Zeichenfolgen unterstützen den Profilierungsprozess
Der Forscher bestätigte, dass AI Profiler im Kontrollpanel von Dolphin X vorhanden ist. Zudem wurden technische Zeichenfolgen gefunden, die den Profilierungsprozess unterstützen.
Dazu gehören:
- Auto-Start AI Profiler
- ProfilerStart
- ProfilerGetData
- risk_score
- risk_factors
- categoryusage
Diese Zeichenfolgen deuten darauf hin, dass die Plattform die zur Kategorisierung von Opfern erforderlichen Daten sammeln und verarbeiten kann. Welche KI-Engine – falls überhaupt eine – die Einstufungen erstellt, konnten die Forscher jedoch ohne die Analyse einer aktiven Dolphin-X-Malware-Probe nicht feststellen.
Dolphin X beansprucht umfassende Funktionen zum Diebstahl von Zugangsdaten
Die Dolphin-X-Malware wirbt außerdem mit umfangreichen Funktionen zum Informationsdiebstahl. Laut Betreiberpanel soll sie mehr als 300 Anwendungen ins Visier nehmen können.
Zu den angegebenen Zielen gehören Chromium- und Gecko-basierte Browser, Erweiterungen für Krypto-Wallets, Desktop-Krypto-Wallets, Passwortmanager und Cloud-Kommandozeilenwerkzeuge.
Darüber hinaus behauptet Dolphin X, .env-Dateien, SSH-Schlüssel, Cloud-Zugriffstokens, Browser-Anmeldedaten, Informationen aus Krypto-Wallets und weitere Entwickler-Zugangsdaten stehlen zu können.
Die Forscher bestätigten diese Fähigkeiten jedoch nicht unabhängig, da sie das Betreiberpanel, den Builder und den Netzwerkverkehr analysierten, anstatt die Malware auf einem infizierten System auszuführen.
KI hilft Angreifern bei der Priorisierung gestohlener Daten
Künstliche Intelligenz wird zunehmend in Cybercrime-Diensten eingesetzt, unter anderem für Phishing, die Erstellung von Spam und automatisierte Angriffe.
Dolphin X nutzt KI jedoch für einen anderen Zweck. Anstatt sich auf den Erstzugriff zu konzentrieren, soll die Profilierungsfunktion gestohlene Informationen sortieren und jene Opfer hervorheben, die Angreifer als besonders wertvoll einstufen.


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