Eine Koalition aus Datenschutz- und Digitalrechtsorganisationen hat eine Kampagne zur Abschaffung von Cookie-Bannern gestartet. Die Organisationen wollen, dass Datenschutzeinstellungen auf Browserebene die wiederholten Einwilligungs-Pop-ups ersetzen.
Die Kampagne trägt den Namen „Kill the cookie banner“. Sie folgt auf die Streichung einer vorgeschlagenen EU-Regelung für einmalig festgelegte Datenschutzeinstellungen.
Datenschutzgruppen wollen eine dauerhafte Entscheidung zum Tracking
Der Vorschlag würde es Nutzern ermöglichen, ihre Datenschutzpräferenzen einmalig über einen Browser oder ein Gerät festzulegen. Websites müssten diese Entscheidung anschließend automatisch respektieren.
Dadurch müssten Nutzer nicht wiederholt entscheiden, ob sie Tracking akzeptieren oder ablehnen. Die Änderung könnte zudem die sogenannte Cookie-Müdigkeit reduzieren.
Die Maßnahme wurde als Artikel 88b der DSGVO bezeichnet und war im November 2025 Teil des Digital-Omnibus-Vorschlags der Europäischen Kommission.
Die Datenschutzorganisation noyb erklärte, dass das derzeitige System Menschen dazu dränge, Tracking zu akzeptieren. Viele Nutzer klicken beispielsweise schnell durch Cookie-Banner, um möglichst rasch auf eine Website zugreifen zu können.
Kampagne hält Cookie-Banner für grundlegend fehlerhaft
Noyb führt die Kampagne gemeinsam mit Verbraucher-, Bürgerrechts- und Digitalrechtsorganisationen an. Der Zusammenschluss umfasst Gruppen aus Europa und anderen Regionen.
Zu den Unterstützern gehören BEUC, Check My Ads, EDRi und die Electronic Frontier Foundation. Auch der Irish Council for Civil Liberties unterstützt die Kampagne.
Die Gruppen argumentieren, dass Cookie-Banner nicht von der DSGVO selbst vorgeschrieben werden. Stattdessen seien sie das Ergebnis eines Werbemodells, das auf Tracking basiert.
Viele Menschen klicken auf „Akzeptieren“, um das Banner zu schließen. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass sie tatsächlich von Websites verfolgt werden möchten.
Google und Meta lehnten die vorgeschlagenen Änderungen ab
Die Kampagne wirft großen Technologieunternehmen und EU-Staaten vor, den Plan blockiert zu haben. Dabei nennt sie ausdrücklich Google und mehrere Mitgliedstaaten.
Google forderte die Streichung von Artikel 88b. Das Unternehmen argumentierte, dass die Regel die Monetarisierung von Websites und die Gewinnung neuer Kunden beeinträchtigen könnte.
Google warnte außerdem vor niedrigeren Einwilligungsraten. Ein eingeschränkter Datenzugang könnte dem Unternehmen zufolge Auswirkungen auf Online-Dienste haben.
Meta forderte umfassendere Änderungen an den Cookie-Regeln der EU. Das Unternehmen schlug vor, Artikel 5 Absatz 3 der ePrivacy-Richtlinie zu streichen.
Diese Regel verlangt grundsätzlich eine Einwilligung, bevor Websites auf Daten auf dem Gerät eines Nutzers zugreifen dürfen. Meta schlug jedoch ein System mit zusätzlichen Rechtsgrundlagen für die Datenerhebung vor.
Datenschutzgruppen lehnten diesen Ansatz ab. Sie warnten davor, dass dadurch bestimmte Formen der Datenerhebung ohne eindeutige Zustimmung erlaubt werden könnten.
EU-Rat strich den Vorschlag zu Cookie-Bannern
Die öffentliche Konsultation zum Digital-Omnibus-Paket endete am 11. März 2026.
Der Rat der EU strich Artikel 88b später aus seiner Position. Noyb erklärte unterdessen, dass Frankreich, Deutschland und Polen den bestehenden Ansatz unterstützt hätten.
Noyb macht Lobbyarbeit von Google und der Tracking-Branche für die Entscheidung verantwortlich. Google bestreitet dagegen die Vorteile des Vorschlags und warnt vor möglichen Folgen für Publisher.
Europäisches Parlament könnte den Plan noch wiederbeleben
Das Europäische Parlament hat seine Position noch nicht verabschiedet. Datenschutzgruppen hoffen nun, dass die Abgeordneten den Plan für Datenschutzeinstellungen auf Browserebene wieder aufnehmen.
Die Kampagne fordert Nutzer dazu auf, ausgewählte Mitglieder des Europäischen Parlaments zu kontaktieren. Zudem nennt sie Abgeordnete aus zwei zuständigen parlamentarischen Ausschüssen.
Die Botschaft ist einfach: Nutzer sollten ihre Datenschutzentscheidung einmal treffen können, anstatt auf jeder Website erneut mit derselben Aufforderung konfrontiert zu werden.


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