US-Behörden haben zwei Personen aus New York angeklagt, mindestens 43 Millionen Dollar gewaschen zu haben. Das Geld soll aus einem internationalen Anlagebetrug stammen.
Bundesstaatsanwälte werfen den Verdächtigen vor, ein Netzwerk betrieben zu haben, das Geld von amerikanischen Opfern auf ausländische Bankkonten transferierte. Die Organisation soll 140 Konten im Namen von rund 45 Scheinfirmen genutzt haben.
Beide Personen sind wegen Verschwörung zur Geldwäsche angeklagt. Bei einer Verurteilung drohen ihnen jeweils bis zu 20 Jahre Haft.
Zwei Personen aus New York angeklagt
Die Behörden identifizierten die Angeklagten als die 27-jährige Zhuoying Chen aus Brooklyn und den 38-jährigen Haojie Zhang aus Queens. Sie sind auch unter den Namen Jolene und Kevin bekannt.
Bundesbeamte nahmen beide Personen am 16. Juli fest. Anschließend erschienen sie vor einem Richter in Brooklyn.
Laut Anklageschrift waren Chen und Zhang zwischen 2020 und 2022 an dem mutmaßlichen Geldwäschenetzwerk beteiligt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, mehr als zwölf weitere Personen aus Brooklyn und Queens geleitet zu haben.
Mitglieder des Netzwerks sollen Bankkonten für Scheinfirmen eröffnet haben. Anschließend nutzte die Gruppe diese Konten, um das Geld von Betrugsopfern zu empfangen und weiterzuleiten.
Bei den Vorwürfen handelt es sich bislang jedoch nur um Anschuldigungen. Beide Personen gelten als unschuldig, bis ihre Schuld vor Gericht bewiesen wurde.
Netzwerk soll 140 Bankkonten kontrolliert haben
Das mutmaßliche Geldwäschenetzwerk nutzte 140 Bankkonten, die mit rund 45 Scheinfirmen verbunden waren.
Scheinfirmen können legitimen Zwecken dienen. Kriminelle können sie jedoch verwenden, um zu verschleiern, wer ein Konto kontrolliert oder woher das Geld stammt.
In diesem Fall sollen mindestens 43 Millionen Dollar von Opfern eines Online-Anlagebetrugs auf den Konten eingegangen sein. Die Angeklagten arbeiteten anschließend angeblich mit Komplizen in China zusammen, um das Geld ins Ausland zu transferieren.
Nach Angaben der Behörden landete ein großer Teil der gestohlenen Gelder auf chinesischen Bankkonten. Das Netzwerk soll die Beträge über mehrere Unternehmen und Konten bewegt haben. Dadurch ließen sich die Transaktionen schwerer nachverfolgen.
Geldwäschenetzwerke spielen bei groß angelegten Betrugsfällen häufig eine wichtige Rolle. Sie helfen den Betrügern, gestohlene Gelder zu empfangen, ohne dass die Haupttäter direkt in den Banktransaktionen auftauchen.
Betrüger gewannen das Vertrauen ihrer Opfer
Der Anlagebetrug soll über soziale Netzwerke und Messaging-Apps begonnen haben.
Die Betrüger nahmen Kontakt zu potenziellen Opfern auf und bauten schrittweise persönliche Beziehungen zu ihnen auf. Anschließend präsentierten sie eine scheinbar lukrative Investitionsmöglichkeit.
Kriminelle investieren bei solchen Betrugsmaschen oft mehrere Wochen oder Monate, um das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen. Diese langfristige Manipulation wird häufig als „Pig Butchering“ bezeichnet.
Die Betrüger geben sich dabei möglicherweise als Freunde, romantische Partner oder erfahrene Anleger aus. Sobald sie Vertrauen aufgebaut haben, fordern sie das Opfer auf, Geld auf einer gefälschten Investitionsplattform einzuzahlen.
Opfer sehen dort häufig erfundene Kontostände und Renditen. Die gefälschten Gewinne lassen die Anlage seriös erscheinen. Deshalb investieren Betroffene oftmals noch größere Beträge.
Schließlich blockieren die Kriminellen Auszahlungen oder verlangen weitere Zahlungen. Zu diesem Zeitpunkt kontrollieren sie bereits das ursprünglich eingezahlte Geld.
Gefälschte Gewinne führten zu höheren Einzahlungen
Die Staatsanwaltschaft behauptet, dass die Betrüger ihren Opfern falsche Gewinne aus den vermeintlichen Investitionen zeigten. Anschließend nutzten sie diese Ergebnisse, um weitere Überweisungen zu veranlassen.
Die Zahlen auf einer gefälschten Plattform spiegeln keine echten Anlagen wider. Stattdessen kontrollieren die Betrüger, was auf dem Bildschirm angezeigt wird.
Einige Opfer erkennen den Betrug erst, wenn sie ihr Geld auszahlen lassen möchten. Die Kriminellen verlangen dann möglicherweise Steuern, Bearbeitungsgebühren oder Sicherheitsleistungen. Auch diese zusätzlichen Zahlungen fließen an die Betrüger.
Anschließend läuft das Geld über Konten, die Finanzmittelsmänner verwalten. Laut Anklageschrift halfen Chen und Zhang dabei, diesen Teil des mutmaßlichen Netzwerks zu betreiben.
Mehrere Bundesbehörden untersuchten das Netzwerk
Das FBI, Homeland Security Investigations, IRS Criminal Investigation und der US Postal Inspection Service waren an den Ermittlungen beteiligt.
Gemeinsam verfolgten die Behörden die Geldströme durch das mutmaßliche Netzwerk. Bundesstaatsanwälte des Justizministeriums und des Eastern District of New York führen das Verfahren.
Die Behörden beschreiben die Organisation als ein ausgeklügeltes Finanznetzwerk. Den Ermittlern zufolge konnten ausländische Betrüger dadurch weiterhin Amerikaner ins Visier nehmen und gleichzeitig die Erlöse außer Landes schaffen.
Die Ermittler haben nicht bekannt gegeben, wie viele Menschen Geld verloren haben. Es ist ebenfalls unklar, ob die Behörden einen Teil der mutmaßlich gewaschenen 43 Millionen Dollar sicherstellen konnten.
Anlagebetrug bedroht weiterhin amerikanische Nutzer
Online-Anlagebetrug hat sich zu einer ernsthaften globalen Bedrohung entwickelt. Kriminelle Gruppen erreichen ihre Opfer über Dating-Apps, berufliche Netzwerke, soziale Medien und verschlüsselte Messaging-Dienste.
Gefälschte Plattformen ahmen häufig echte Handelswebseiten nach. Sie werben möglicherweise mit Anlagen in Kryptowährungen, Devisen, Aktien oder anderen Finanzprodukten.
Unerwartete Anlagetipps von Online-Kontakten sollten stets Misstrauen wecken. Nutzer sollten eine Plattform unabhängig überprüfen, bevor sie Geld überweisen.
Opfer sollten außerdem niemals zusätzliche Gebühren zahlen, um Auszahlungen freizuschalten. Seriöse Finanzdienstleister verlangen normalerweise keine wiederholten Zahlungen, bevor sie Kontoguthaben freigeben.
Der aktuelle Fall zeigt, dass Betrüger umfangreiche Finanznetzwerke nutzen, um gestohlenes Geld zu verschieben. Die beiden Angeklagten sehen sich schweren Vorwürfen gegenüber. Die Staatsanwaltschaft muss jedoch jeden Anklagepunkt zweifelsfrei beweisen.


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