Die Europäische Kommission hat einen Verstoß gegen das Digitale-Dienste-Gesetz (DSA) durch Temu festgestellt, nachdem sie Hinweise darauf fand, dass der chinesische E-Commerce-Riese europäische Nutzer illegalen Produkten aussetzen könnte. Vorläufige Erkenntnisse zeigen, dass Temu Risiken nicht ausreichend bewertet und die Verbreitung gefährlicher oder nicht konformer Artikel auf seiner Plattform nicht verhindert hat.

Die Untersuchung begann am 31. Oktober 2024, als die Kommission ein formelles Verfahren gegen Temu einleitete. Beamte vermuteten, dass die Plattform nicht genug unternahm, um gefälschte, unsichere oder umweltschädliche Produkte zu blockieren. Solche Waren gefährden die Verbrauchersicherheit, den fairen Wettbewerb und die Einhaltung von EU-Vorgaben.

„Wir wollen sicherstellen, dass Temu das Digitale-Dienste-Gesetz einhält“, sagte Margrethe Vestager, Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission. „Unsere Durchsetzung garantiert faire Wettbewerbsbedingungen und schützt europäische Verbraucher.“

Temu erklärte, man nehme die Verpflichtungen gemäß dem DSA „sehr ernst“ und arbeite aktiv daran, die eigenen Compliance-Systeme zu verbessern.


EU sieht hohes Risiko für illegale Produktexposition

Am 29. Juli 2025 veröffentlichte die Kommission ihre vorläufigen Erkenntnisse. Laut dem Bericht besteht für EU-Verbraucher ein hohes Risiko, auf Temu mit illegalen Produkten konfrontiert zu werden. Bei einem Mystery-Shopping-Test entdeckten Ermittler problemlos nicht konforme Waren wie Babyspielzeug und Elektronik.

Auch Temus Risikobewertung aus dem Oktober 2024 geriet in die Kritik. Die Kommission stellte fest, dass sich diese auf allgemeine Branchendaten statt auf spezifische Informationen zur Temu-Plattform stützte. Daher seien die ergriffenen Risikominderungsmaßnahmen wahrscheinlich wirkungslos gewesen.

„Dies könnte zu unzureichenden Maßnahmen zur Risikominderung geführt haben“, so die Kommission.


Weitere DSA-Bedenken im Fokus

Die Untersuchung wird fortgesetzt und richtet sich nun auf weitere kritische Bereiche. Dazu gehören die Transparenz von Temus Empfehlungsalgorithmen, der mögliche Einsatz suchtähnlicher Designfunktionen sowie die Frage, ob Forscher Zugriff auf Plattformdaten erhalten.

Zudem wollen die Aufsichtsbehörden prüfen, wie Temu künftig Produktsicherheit bewertet und durchsetzt.


Fazit

Der DSA-Verstoß von Temu hat zu ernsthaften regulatorischen Maßnahmen der EU-Kommission geführt. Obwohl Temu beteuert, seine Schutzmaßnahmen zu verstärken, ist die Kommission der Ansicht, dass die Plattform weiterhin Risiken für Verbraucher innerhalb der EU darstellt. Mit Fortschreiten der Untersuchung dürfte Temu zunehmend unter Druck geraten, seine Marktplatzpraktiken grundlegend zu überarbeiten und die DSA-Vorgaben vollständig umzusetzen.


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