Meta wurde schuldig gesprochen, gegen Datenschutzgesetze verstoßen zu haben, nachdem das Unternehmen heimlich sensible Daten aus der Perioden-Tracking-App Flo gesammelt hatte. Eine Jury in Kalifornien urteilte einstimmig gegen den Technologiekonzern und stellte eine klare Verletzung des „California Invasion of Privacy Act“ fest.
Im Mittelpunkt des Falls stand die Nutzung intimer Daten von über 70 Millionen Flo-Nutzerinnen. In der App dokumentieren Nutzerinnen Informationen wie Menstruationszyklen, sexuelle Aktivität und körperliche Symptome. Diese Daten sollten laut Datenschutzerklärung nie die App verlassen.
Jahrelanger Datenmissbrauch kommt ans Licht
Der Rechtsstreit begann im Jahr 2020, als die US-Handelskommission FTC entdeckte, dass Flo Nutzerdaten ohne Einwilligung an Tech-Unternehmen weitergegeben hatte. Eine offizielle Beschwerde im Jahr 2021 zeigte, dass Meta, Google, Flurry und weitere Firmen bereits seit 2016 auf Flo-Daten zugriffen.
Laut Beschwerde sammelte Meta sogenannte „Custom App Events“ – darunter persönliche Einträge wie Schwangerschaftsverläufe und Menstruationsdaten. Flo versprach in seiner Datenschutzerklärung ausdrücklich, solche Daten nicht ohne Zustimmung weiterzugeben.
Flo einigte sich später mit der FTC, ohne ein Fehlverhalten zuzugeben. Das Unternehmen verpflichtete sich, geteilte Daten zu löschen, regelmäßige Audits durchzuführen und seine Datenschutzpraktiken zu verbessern. Für viele Nutzerinnen war das jedoch nicht genug.
Sammelklage führt zu historischem Urteil
2021 reichten Nutzerinnen eine Sammelklage gegen Meta und andere Datenpartner ein. Sie warfen den Unternehmen Vertragsbruch, Verstöße gegen Bundesgesetze und Missachtung medizinischer Datenschutzrechte vor.
Einige Unternehmen – darunter Google und Flurry – schlossen Vergleiche. AppsFlyer wurde aus dem Verfahren entlassen. Meta stritt Fehlverhalten ab, blieb jedoch angeklagt. Im August 2025 sprach eine Jury Meta schuldig.
Die Anwälte Michael P. Canty und Carol C. Villegas bezeichneten das Urteil als wegweisenden Sieg. Sie betonten, dass große Tech-Firmen keinen Profit aus den intimsten Daten von Frauen schlagen dürften.
„Es ging in diesem Fall um mehr als nur Daten“, sagte Villegas. „Es ging um Würde, Vertrauen und Verantwortung.“
Femtech-Markt weckt neue Sorgen
Der Femtech-Sektor boomt – für 2024 wird ein Marktwert von 7,5 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Apps wie Flo begleiten Nutzerinnen durch sensible Lebensphasen – etwa bei Fruchtbarkeitsfragen oder Schwangerschaftsabbrüchen. Gleichzeitig sammeln sie umfangreiche persönliche Daten und teilen diese mit Werbepartnern.
Flo erfasst beispielsweise bis zu 15 Datenpunkte – darunter Standortdaten und Einkaufsverhalten. Recherchen von Cybernews zeigten, dass Flo diese Informationen mit Partnern wie Pinterest, Google Ads, Apple Search Ads und Metas eigenen Werbediensten teilt.
Wachsende rechtliche und ethische Risiken
Eine europäische Studie ergab, dass 90 % der Apps für Frauengesundheit Nutzerdaten weitergeben. Über 60 % erfassen den Standort. Im schlimmsten Fall könnten Behörden diese Daten nutzen, um Frauen unter restriktiven Abtreibungsgesetzen strafrechtlich zu verfolgen.
Datenschützer warnen: Femtech-Apps sind ein wachsendes Risiko. Trotz ihres Nutzens können sie Nutzerinnen rechtlich angreifbar machen und ungewollter Werbung aussetzen – oft ohne ihr Wissen.
Fazit
Das Urteil gegen Meta markiert einen Wendepunkt in der digitalen Gesundheitsverantwortung. Es zeigt, wie sensibelste Daten – insbesondere von Frauen – missbraucht werden können, wenn Konzerne Profit über Privatsphäre stellen. Angesichts des wachsenden Femtech-Markts sind stärkere Datenschutzgesetze dringender denn je.


0 Kommentare zu „Meta wegen Datenschutzverstoß bei Nutzung von Flo Health-Daten verurteilt“