Ein Ransomware-Angriff auf IDCF Cloud hat Dienste beeinträchtigt, die von 495 Unternehmen und Kommunalverwaltungen in Japan genutzt werden. Der Betreiber IDC Frontier schaltete die betroffene Infrastruktur ab, nachdem er den Vorfall in seiner Umgebung East Japan Region 1 entdeckt hatte.
Das Unternehmen teilte mit, dass der Angriff am 7. Oktober um 3:40 Uhr Ortszeit begann. Die Ermittler versuchen weiterhin herauszufinden, wie die Angreifer Zugang erlangten und wie groß das gesamte Schadensausmaß ist.
IDC Frontier isoliert betroffene Cloud-Systeme
IDC Frontier, eine Tochtergesellschaft der SoftBank Group, stellt über seine Plattform IDCF Cloud virtuelle Server, Speicher und Netzwerkdienste bereit. Kunden nutzen diese Dienste, um Websites, Anwendungen und Geschäftssysteme in japanischen Rechenzentren zu betreiben.
Nach der Entdeckung des Eindringens isolierte das Unternehmen die betroffenen Systeme und trennte deren Netzwerkverbindungen, um die Kompromittierung einzudämmen.
Gleichzeitig begannen die Sicherheitsteams damit, den Zugangspunkt der Angreifer zu identifizieren und zu blockieren. Außerdem überprüften sie die Infrastruktur in anderen Regionen auf mögliche Sicherheitsprobleme.
Als Vorsichtsmaßnahme deaktivierte IDC Frontier den Kundenzugriff auf die Verwaltungskonsolen in allen Regionen. Das Unternehmen plant, den Zugriff wiederherzustellen, sobald bestätigt ist, dass die Konsolen sicher verwendet werden können.
Diese umfassendere Einschränkung bedeutet nicht, dass die Angreifer sämtliche Regionen kompromittiert haben.
Angreifer behaupten, umfangreiche Schäden an der Cloud-Infrastruktur verursacht zu haben
Bevor der Zugriff auf die Konsolen gesperrt wurde, erstellten Kunden Screenshots einer Nachricht, die offenbar von den Angreifern hinterlassen worden war.
In der Nachricht behauptete die Gruppe, innerhalb von sieben Minuten in East Japan Region 1 eingedrungen zu sein. Außerdem gab sie an, bei dem Angriff 225 Datenbanken mit insgesamt 3,6 Petabyte Daten verschlüsselt zu haben.
Weitere Behauptungen betrafen den Zugriff auf 239 Hypervisoren, die Sperrung von 16.000 Festplatten virtueller Maschinen und die Löschung von 554.153 Snapshots.
Diese Zahlen stammen jedoch von den Angreifern. Die vorliegenden Unternehmensmitteilungen bestätigen das behauptete Ausmaß der Zerstörung nicht unabhängig.
Die Untersuchung des Ransomware-Angriffs auf IDCF Cloud bleibt daher entscheidend, um festzustellen, welche Systeme und Kundenressourcen tatsächlich beschädigt wurden.
Nissui Logistics meldet einen separaten Systemausfall
Unabhängig davon meldete das japanische Fischerei- und Lebensmittelunternehmen Nissui am 7. Oktober einen Systemausfall bei seiner Logistiktochter.
Nissui Logistics brachte die Störung mit einem vermuteten unbefugten Zugriff auf ein externes Rechenzentrum in Verbindung, das das Unternehmen nutzt. Infolgedessen konnte die Tochtergesellschaft weder Waren versenden noch empfangen.
Das Unternehmen untersucht außerdem, ob durch den Vorfall personenbezogene Informationen oder Kundendaten offengelegt wurden.
Allerdings gibt es derzeit keine bestätigte Verbindung zwischen dem Ausfall bei Nissui Logistics und dem Angriff auf IDCF Cloud.
Nissui beschäftigt rund 11.500 Mitarbeiter und betreibt eine internationale Lieferkette, die Fischerei, Aquakultur, Verarbeitung und Vertrieb umfasst.
Gemeldete Datenvorfälle nehmen in Japan zu
Die Störung ereignet sich vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl registrierter Cybersicherheitsvorfälle bei japanischen Organisationen.
Das Sicherheitsunternehmen Macnica erfasste vom Beginn des Jahres 2026 bis zum 6. Oktober insgesamt 119 Vorfälle, bei denen personenbezogene Informationen gestohlen oder Daten offengelegt wurden. Davon ereigneten sich 83 zwischen dem 1. Juli und dem 6. Oktober.
Zum Vergleich: Nach denselben Kriterien registrierte das Unternehmen im gesamten Jahr 2025 insgesamt 84 Vorfälle und im Jahr 2024 insgesamt 62.
Die Analyse zeigt, dass Angreifer Websites und APIs auf Schwachstellen bei Zugriffskontrollen, Konfigurationen und Authentifizierungsverfahren untersuchen. Außerdem nutzen sie bekannte Sicherheitslücken aus.
Der Macnica-Forscher Yutaka Sejiyama vermutete, dass kostengünstige und leistungsfähige KI-Tools detaillierte Untersuchungen von Websites auf Schwachstellen praktikabler machen könnten.
Dies bleibt jedoch lediglich eine mögliche Erklärung für den allgemeinen Trend. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass KI bei dem Angriff auf IDCF Cloud eine Rolle gespielt hat.


0 Kommentare zu „Ransomware-Angriff auf IDCF Cloud beeinträchtigt 495 japanische Organisationen“