Die Ransomware-Gruppe Qilin hat Daten veröffentlicht, die sie nach eigenen Angaben vom US Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives, ATF, gestohlen hat. Das Material könnte sensible Ermittlungsakten, Telefondaten und forensische Beweise offenlegen.
Das ATF bestätigte, dass Angreifer in ein eigenständiges System eingedrungen waren, das im Zusammenhang mit staatlich genehmigter elektronischer Überwachung genutzt wird. Die Behörde hat jedoch weder die Echtheit noch die Art oder den vollständigen Umfang des veröffentlichten Materials bestätigt.
ATF identifiziert betroffenes eigenständiges System
Qilin erhob am 26. August Anspruch auf den ATF-Angriff und setzte später eine Frist von 72 Stunden, bevor die Gruppe mit der Veröffentlichung der Daten drohte.
Nach Ablauf der Frist veröffentlichte die Gruppe auf ihrer Leak-Seite ein mutmaßliches 6,3-GB-Archiv. Die Links sind inzwischen verschwunden, doch die Dateien waren während eines Großteils des Montags öffentlich zugänglich und könnten bereits kopiert oder weiterverbreitet worden sein.
In einer aktualisierten Stellungnahme identifizierte das ATF das betroffene System als sein CALEA-System. Das System unterstützt Informationen im Zusammenhang mit dem Communications Assistance for Law Enforcement Act, einschließlich Unterlagen zu staatlich genehmigter elektronischer Überwachung.
Die Behörde teilte mit, dass der Vorfall weder ihr Unternehmensnetzwerk noch das eForms-System oder andere ATF-Systeme beeinträchtigte.
Geleakte Dateien scheinen mit Ermittlungen verbunden zu sein
Eine erste Prüfung des mutmaßlichen ATF-Datenlecks deutet darauf hin, dass es Dateien enthält, die mit laufenden oder früheren strafrechtlichen Ermittlungen verbunden sind.
Das Material scheint Extraktionen mobiler Geräte, Kontoinformationen, IP-Adressen, Registrierungsdaten und digitale forensische Beweise zu enthalten. Einige Verzeichnisse beziehen sich Berichten zufolge auf ATF-Außenstellen und einzelne Ermittlungen.
Forscher fanden außerdem offensichtliche Hinweise auf iPhones, Samsung-Geräte, SIM-Karten, Cloud-Daten und forensische Telefonextraktionen von Cellebrite.
Falls die Dateien echt sind, könnten sie sensible Details zu Ermittlungszielen, Zeugen, Informanten und Strafverfolgungsoperationen offenlegen.
Offenlegung von Ermittlungen schafft weitergehende Risiken
Das ATF untersucht Waffenhandel, Gewaltverbrechen, Sprengstoffe, Brandstiftung und organisierte kriminelle Aktivitäten. Informationen zu diesen Fällen können erhebliche Sicherheitsrisiken schaffen, wenn sie offengelegt werden.
Personenbezogene Daten in den mutmaßlichen Dateien könnten auch gezielte Betrugsversuche oder andere Bemühungen ermöglichen, Ermittlungen zu stören.
Das ATF arbeitet mit dem Justizministerium und anderen Bundespartnern zusammen, um Qilins Behauptungen zu bewerten. Die Behörde hat den Einbruch öffentlich keinem bestimmten Bedrohungsakteur zugeschrieben.


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