Der Europäische Datenschutzbeauftragte hat davor gewarnt, dass erweiterte Befugnisse für Europol den Datenschutz und die Grundrechte schwächen könnten. Die Aufsichtsbehörde fordert stärkere Schutzmaßnahmen, bevor Europol umfassendere Befugnisse zur Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Daten erhält.

EU-Kommission will Europols Rolle stärken

Die Europäische Kommission legte ihren Vorschlag für eine neue Europol-Verordnung am 24. Juni 2026 vor.

Der Plan soll Europol dabei helfen, grenzüberschreitende Kriminalität und Bedrohungen der inneren Sicherheit in den EU-Mitgliedstaaten zu bekämpfen. Der Vorschlag würde die Rolle der Agentur als zentrale Anlaufstelle für Informationen, Operationen und Innovationen im Bereich der Strafverfolgung weiter stärken.

Befürworter argumentieren, dass kriminelle Gruppen zunehmend grenzüberschreitend agieren und digitale Werkzeuge nutzen, um einer Entdeckung zu entgehen. Europol benötige daher stärkere Fähigkeiten, um nationale Behörden bei der Koordinierung von Ermittlungen zu unterstützen und schnellere Reaktionen zu ermöglichen.

Die Kommission hat außerdem vorgeschlagen, Europols Budget zwischen 2028 und 2034 auf 3 Milliarden Euro zu verdoppeln. Sowohl der Haushalt als auch die umfassenderen rechtlichen Änderungen müssen jedoch noch von den EU-Institutionen genehmigt werden.

EDPS warnt vor Datenschutzrisiken

Der Europäische Datenschutzbeauftragte, kurz EDPS, erkennt an, dass Strafverfolgungsbehörden wirksame Instrumente benötigen, um moderne Bedrohungen zu bekämpfen. Erweiterte Europol-Befugnisse dürften jedoch nicht auf Kosten des Datenschutzes und der Grundrechte gehen.

Laut EDPS könnte der Vorschlag Europol ermöglichen, größere Mengen personenbezogener Daten zu sammeln und zu verarbeiten. Dazu könnten auch Informationen über Personen gehören, bei denen keine nachgewiesene Verbindung zu strafrechtlichen Ermittlungen oder Gerichtsverfahren besteht.

Die Aufsichtsbehörde warnte zudem davor, dass der aktuelle Entwurf keine ausreichenden Grenzen für die Speicherdauer von Daten festlegt. Europol sollte Informationen über Personen ohne nachgewiesene Verbindung zu kriminellen Aktivitäten nicht unbegrenzt aufbewahren dürfen.

Diese Bedenken sind in der Stellungnahme 18/2026 des EDPS zum Vorschlag der Kommission enthalten.

Stärkere Schutzmaßnahmen sind erforderlich

Der EDPS fordert klare und durchsetzbare Schutzmaßnahmen für den vorgeschlagenen Rechtsrahmen, bevor die Gesetzgeber ihn verabschieden.

Dazu sollten eine wirksame unabhängige Aufsicht, geeignete Durchsetzungsmechanismen und strenge Grenzen für die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Europol gehören. Zudem muss sichergestellt werden, dass die Agentur beim Umgang mit Informationen aus Mitgliedstaaten und anderen Quellen die EU-Datenschutzvorschriften einhält.

Die Aufsichtsbehörde betonte, dass Sicherheitsmaßnahmen verhältnismäßig bleiben müssen. Strafverfolgungsbehörden benötigen möglicherweise fortschrittliche Technologien zur Untersuchung schwerwiegender Bedrohungen. Solche Fähigkeiten erfordern jedoch klare Grenzen zum Schutz von Personen, die nicht mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung stehen.

Die Debatte über erweiterte Europol-Befugnisse spiegelt eine größere Herausforderung für die EU wider. Entscheidungsträger müssen öffentliche Sicherheit, technologische Entwicklung und die Datenschutzrechte der Bürger miteinander in Einklang bringen.

Parlament und Rat müssen entscheiden

Das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union müssen dem Vorschlag der Kommission zustimmen, bevor die Änderungen in Kraft treten können.

Bei einer Verabschiedung könnte Europol mehr Personal, zusätzliche Finanzmittel und umfangreichere technologische Ressourcen erhalten. Die Agentur könnte dadurch eine größere Rolle bei der Unterstützung der Mitgliedstaaten bei Ermittlungen zu Cyberkriminalität und anderen grenzüberschreitenden Bedrohungen übernehmen.

Der EDPS hat jedoch deutlich gemacht, dass der Vorschlag Änderungen benötigt. Die Gesetzgeber müssen entscheiden, ob der endgültige Rechtsrahmen Europol stärkere operative Instrumente geben und gleichzeitig einen wirksamen Schutz personenbezogener Daten gewährleisten kann.


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