Hacker haben eine KI-gestützte Voice-Phishing-Kampagne gegen mehrere große Investmentfirmen an der Wall Street gestartet, darunter Citadel, Two Sigma, Point72 Asset Management und Millennium Management.
Die Angriffe nutzen KI-generierte Stimmen, um sich in Telefonanrufen oder Sprachnachrichten als vertrauenswürdige Personen auszugeben. Anstatt Schadsoftware einzusetzen, scheinen die Angreifer gezielt Mitarbeiter ins Visier zu nehmen und sie dazu bewegen zu wollen, Zugangsdaten, Authentifizierungscodes oder Zugriff auf interne Systeme preiszugeben.
Point72 informierte Investoren am Mittwoch über die Kampagne. Das Unternehmen erklärte, keine Hinweise darauf gefunden zu haben, dass Angreifer auf Kundendaten zugegriffen hätten.
Two Sigma erklärt, den Angriff abgewehrt zu haben
Two Sigma teilte mit, dass das Sicherheitsteam des Unternehmens nach der Entdeckung eines Voice-Phishing-Versuchs gegen das Unternehmen und andere Investmentmanager schnell reagiert habe.
Das Unternehmen erklärte, es gebe keine Hinweise darauf, dass Daten oder Systeme beeinträchtigt worden seien. Zudem werde die Lage weiterhin überwacht.
Citadel und Millennium Management hatten sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht öffentlich zu den gemeldeten Angriffen geäußert.
Die Kampagne soll außerdem mehrere Private-Equity-Gesellschaften betroffen haben. Die Namen dieser Unternehmen wurden jedoch nicht veröffentlicht.
KI-gestütztes Voice-Phishing macht vertraute Anrufe zur Falle
KI-gestütztes Voice-Phishing, auch als Vishing bekannt, nutzt Telefonanrufe oder Sprachnachrichten, um Menschen zur Preisgabe sensibler Informationen zu verleiten.
Angreifer können KI-Werkzeuge einsetzen, um die Stimme eines leitenden Managers, eines Kollegen oder eines IT-Support-Mitarbeiters nachzuahmen. Anschließend fordern sie Mitarbeiter möglicherweise dazu auf, ein Passwort zurückzusetzen, einen Einmalcode zur Authentifizierung weiterzugeben, eine Anmeldeanfrage zu bestätigen oder eine Fernzugriffssoftware zu installieren.
Diese Anrufe wirken oft überzeugend, weil sie vertraute Arbeitsabläufe ausnutzen. Ein Anrufer, der sich als Mitarbeiter der IT-Abteilung ausgibt, kann Dringlichkeit erzeugen, indem er behauptet, ein Konto sei gesperrt worden oder ein kritisches Sicherheitsproblem erfordere sofortiges Handeln.
Das Ziel besteht in der Regel darin, Zugriff auf Unternehmenssysteme zu erhalten, ohne technische Schutzmaßnahmen direkt überwinden zu müssen.
Wall-Street-Investmentfirmen sind attraktive Ziele
Die betroffenen Unternehmen verwalten erhebliche Vermögenswerte für institutionelle und private Kunden.
Millennium Management verwaltet rund 77,5 Milliarden US-Dollar, während Two Sigma etwa 75 Milliarden US-Dollar verwaltet. Citadel verwaltet rund 67,6 Milliarden US-Dollar und Point72 etwa 50,7 Milliarden US-Dollar.
Der Zugriff auf nur ein einziges Mitarbeiterkonto kann Angreifern einen wertvollen Ausgangspunkt verschaffen. Von dort aus können sie versuchen, auf interne Daten, Finanzsysteme, Kundeninformationen oder andere hochwertige Ressourcen zuzugreifen.
Dadurch ist Social Engineering gegen Mitarbeiter für Investmentfirmen besonders gefährlich, da dort sensible Marktinformationen und große Finanztransaktionen zum Tagesgeschäft gehören.
Investmentfirmen stehen unter wachsendem Cyberdruck
Laut dem Bericht 2026 Financial Services Cybersecurity Report von Black Kite sind Investmentfirmen zunehmend ins Visier von Cyberkriminellen geraten.
Dem Bericht zufolge stieg die Zahl der Ransomware-Angriffe auf den Finanzsektor im Jahr 2025 um 30 Prozent. Im ersten Quartal 2026 nahm sie anschließend um weitere 76 Prozent zu.
Investmentfirmen machten rund 40 Prozent aller gemeldeten Sicherheitsvorfälle im Finanzsektor aus. Dies deutet darauf hin, dass Angreifer ihren Fokus zunehmend von traditionellen Banken auf Investmentunternehmen verlagern.
Die jüngsten KI-gestützten Voice-Phishing-Angriffe zeigen, warum technische Schutzmaßnahmen allein nicht ausreichen. Unternehmen benötigen außerdem klare Verfahren zur Überprüfung sensibler Telefonanfragen, insbesondere wenn es um Passwörter, Authentifizierungscodes, Kontoänderungen oder Zahlungsfreigaben geht.
Mitarbeiter sollten ungewöhnliche Anfragen stets über einen bekannten Kommunikationsweg unabhängig bestätigen, bevor sie Maßnahmen ergreifen.


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