Menstruations-Tracking-Apps können äußerst persönliche Informationen über die Gesundheit, Fruchtbarkeit, Schwangerschaft, Symptome und das Sexualleben einer Nutzerin enthalten. Die niederländische Datenschutzbehörde Autoriteit Persoonsgegevens (AP) hat davor gewarnt, dass diese Informationen nicht immer privat bleiben.
Millionen Menschen nutzen Menstruations-Tracking-Apps, um den Beginn ihrer Periode zu dokumentieren, hormonelle Symptome zu überwachen, den Eisprung vorherzusagen oder eine Schwangerschaft zu begleiten. Diese Anwendungen können zwar hilfreich sein, sammeln jedoch auch Gesundheitsdaten, die nach europäischem Datenschutzrecht besonders geschützt sind.
Die AP erklärte, sie könne untersuchen, ob einige Apps sensible Nutzerdaten ohne eine klare und informierte Einwilligung an Werbetreibende oder andere Unternehmen weitergeben.
Menstruations-Tracking-Apps sammeln intime Informationen
Nutzerinnen können in diesen Apps eine Vielzahl persönlicher Informationen eingeben. Dazu gehören Daten zum Menstruationszyklus, sexuelle Aktivitäten, Familienplanungs- und Fruchtbarkeitsinformationen, Angaben zu Schwangerschaften, Stimmung, Symptomen und gesundheitlichen Beschwerden.
Nach europäischen Vorschriften gelten gesundheitsbezogene Informationen als sensible personenbezogene Daten. Unternehmen dürfen sie nur erheben und verarbeiten, wenn die Nutzerinnen ausdrücklich eingewilligt haben.
Die niederländische Aufsichtsbehörde erklärte jedoch, dass häufig unklar sei, ob Menstruations-Tracking-Apps diese Informationen mit Werbepartnern oder externen Unternehmen teilen. Außerdem stellte sie infrage, ob Nutzerinnen tatsächlich verstehen, worin sie einwilligen, wenn sie den Datenschutzeinstellungen einer App zustimmen.
Die stellvertretende AP-Vorsitzende Monique Verdier sagte, dass Mädchen und Frauen in diesen Diensten eine große Menge intimer Informationen speichern. Deshalb könnten sie besonders gefährdet sein, wenn Werbetreibende ohne eine ordnungsgemäße Einwilligung Zugriff auf diese Daten erhalten.
Geleakte Gesundheitsdaten könnten für Erpressung genutzt werden
Verdier warnte außerdem, dass Hacker Menstruations-Tracking-Apps aufgrund der hochsensiblen Informationen ins Visier nehmen könnten.
Cyberkriminelle suchen häufig nach personenbezogenen Daten, die im Falle eines Datenlecks den größten Schaden anrichten können. Informationen über Gesundheit, Fruchtbarkeit und das Sexualleben könnten für Erpressung, gezielte Betrugsversuche oder andere Formen des Missbrauchs genutzt werden.
Die AP rät Nutzerinnen, die Einwilligungsoptionen sorgfältig zu prüfen, bevor sie persönliche Informationen eingeben. Wenn eine App nicht klar erklärt, wie sie Daten verwendet, oder keine Möglichkeit bietet, die Weitergabe abzulehnen, sollten Nutzerinnen keine Informationen eingeben, die sie privat halten möchten.
Die Datenschutzbehörde sieht die Lage als so besorgniserregend an, dass sie die Einleitung einer formellen Untersuchung gegen Menstruations-Tracking-Apps in Betracht zieht.
Forschende bezeichnen Menstruationsdaten als „Goldgrube“ für Profiling
Forschende des Minderoo Centre for Technology and Democracy an der University of Cambridge äußerten bereits im vergangenen Jahr ähnliche Bedenken. Sie bezeichneten Apps zur Verfolgung des Menstruationszyklus als potenzielle Goldgrube für Verbraucherprofiling.
Dr. Stefanie Felsberger erklärte, dass diese Plattformen persönliche Gesundheitsinformationen in Datenpunkte verwandeln könnten, die Unternehmen sammeln, analysieren und verkaufen. Sie warnte außerdem davor, dass Menstruationsdaten genutzt werden könnten, um Kontrolle über das reproduktive Leben von Menschen auszuüben.
Die Risiken sind nicht nur theoretischer Natur. Im September 2025 einigten sich Google und Flo, eine Menstruations- und Fruchtbarkeits-App mit mehr als 70 Millionen monatlich aktiven Nutzerinnen und Nutzern, in einer Sammelklage auf einen Vergleich in Höhe von 56 Millionen US-Dollar.
Die Kläger behaupteten, dass Google über ein in die App integriertes Software Development Kit (SDK) Zugriff auf die persönlichen Daten der Flo-Nutzer erhalten habe. Den Vorwürfen zufolge wurden diese Daten anschließend für personalisierte Werbung und Push-Benachrichtigungen in sozialen Medien, per E-Mail und innerhalb der Flo-App verwendet.


0 Kommentare zu „Niederländische Aufsichtsbehörde warnt, dass Menstruations-Tracking-Apps sensible Daten weitergeben könnten“