Ein Cyberangriff auf Rumäniens Grundbuch hat Immobilienverkäufe, Hypothekenregistrierungen und Eigentumsprüfungen im ganzen Land gestört. Ein Angreifer soll Daten der nationalen Katasterbehörde gelöscht haben.

Der Angriff richtete sich gegen die National Agency for Cadastre and Real Estate Advertising, ANCPI. Zunächst bezeichnete die Behörde den Ausfall als technisches Problem. Später bestätigte sie jedoch, dass ein Cyberangriff ihre Systeme getroffen hatte.

Dadurch konnten Notare und Bürger wichtige Dienstleistungen rund um das Grundbuch nicht nutzen.

Immobilientransaktionen kommen zum Stillstand

Der Cyberangriff auf Rumäniens Grundbuch hat große Teile des Immobilienmarkts im Land lahmgelegt.

Notare können Berichten zufolge keine Grundbuchauszüge ausstellen, Immobilienverkäufe beurkunden oder neue Hypotheken eintragen. Gleichzeitig können Immobilieneigentümer keine offiziellen Eigentumsnachweise oder detaillierte Informationen über Grundstücke und Gebäude erhalten.

Die Situation schafft erhebliche Probleme für Käufer, Verkäufer, Banken und Juristen. Rumänien verzeichnet jedes Jahr rund 150.000 bis 170.000 Wohnimmobilienverkäufe. Daher kann selbst ein kurzer Ausfall viele geplante Transaktionen beeinträchtigen.

Angreifer soll gestohlene Daten gelöscht haben

Der Angreifer behauptete, sich mit gültigen Zugangsdaten Zugang zu den ANCPI-Systemen verschafft zu haben. Die Person erklärte außerdem, sie habe sensibles Material kopiert, darunter interne Dokumente, Zugangsdaten von Mitarbeitern, Quellcode und Daten aus den Systemen der Behörde.

Berichten zufolge versuchte der Angreifer, die Behörde zu erpressen. Als dieser Versuch scheiterte, soll die Person die gestohlenen Informationen gelöscht haben, darunter auch Daten aus dem Grundbuch.

Der Angreifer behauptete zudem, Sicherungskopien angegriffen zu haben, um die Wiederherstellung der Systeme zu verhindern. Unabhängige Quellen haben diese Behauptungen jedoch nicht bestätigt.

Offlinekopien könnten die Schäden begrenzen

ANCPI hat inzwischen seine öffentliche Website wiederhergestellt und erklärt, dass die Behörde ihr Netzwerk von Grund auf neu aufbaut.

Die Behörde teilte mit, dass sie Sicherungskopien der Daten an mehreren getrennten Standorten speicherte. Diese Offlinekopien könnten es den Verantwortlichen ermöglichen, die betroffenen Grundbuchdaten trotz der gemeldeten Löschung wiederherzustellen.

Isolierte Sicherungskopien spielen bei zerstörerischen Cyberangriffen eine entscheidende Rolle. Angreifer nehmen Backup-Systeme zunehmend ins Visier, weil Organisationen sie zur Wiederherstellung nach Ransomware-Angriffen und Datenlöschungen benötigen.

Wenn die Kopien von ANCPI weiterhin intakt sind, kann die Behörde ihre Register möglicherweise wiederherstellen. Der Wiederaufbau der Systeme und die Überprüfung einer nationalen Datenbank können dennoch viel Zeit in Anspruch nehmen.

Sicherheitsforscher verbinden Angriff mit bekannter Kampagne

Ein Cybersicherheitsunternehmen hat die Kampagne mit einem Bedrohungsakteur in Verbindung gebracht, der den Namen ByteToBreach verwendet. Die Gruppe hat zuvor Angriffe auf öffentliche Organisationen in mehreren europäischen Ländern für sich beansprucht.

Forscher beschreiben den Akteur als technisch versiert und darauf ausgerichtet, sensible Daten von Behörden, Banken, Fluggesellschaften und anderen Organisationen zu stehlen und zu verkaufen.

Der Cyberangriff auf Rumäniens Grundbuch zeigt, welche Schäden entstehen können, wenn Angreifer über kompromittierte Zugangsdaten Zugriff auf staatliche Systeme erhalten. In diesem Fall reichen die Folgen weit über die betroffene Behörde hinaus und treffen den gesamten Immobilienmarkt des Landes.


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