Eine 86-jährige kanadische Witwe verlor fast eine Million Dollar, nachdem Betrüger ein KI-generiertes Video von Premierminister Mark Carney eingesetzt hatten. Das Video warb für eine gefälschte Investition in Kryptowährungen.

Der Deepfake-Anlagebetrug begann mit einer Anzeige in sozialen Netzwerken. Darin forderten die Kriminellen zunächst eine Investition von lediglich 350 Dollar. Im Laufe mehrerer Monate überzeugten sie die Frau davon, ihre Altersvorsorge aufzulösen, ihre Wohnung mit einer Hypothek zu belasten und Geld über ihre Kreditkarte aufzunehmen.

Der Fall zeigt, wie Kriminelle künstliche Intelligenz und bekannte Persönlichkeiten nutzen, um Finanzbetrug glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Gefälschtes Video imitierte Kanadas Premierminister

Judy Skene aus Ontario entdeckte die Anzeige im Juli 2025 auf Facebook.

Die Anzeige enthielt ein Video, das scheinbar den kanadischen Premierminister Mark Carney zeigte. Tatsächlich hatten die Kriminellen sein Aussehen und seine Stimme mithilfe von KI imitiert. Dadurch wirkte es, als würde Carney die Investition unterstützen.

Das Video forderte die Zuschauer auf, 350 Dollar in ein Kryptoprojekt zu investieren. Zudem behauptete es fälschlicherweise, die Bank of Canada unterstütze das Angebot.

Skene hielt die Anzeige für echt und leistete die erste Zahlung. Die kleine Investition bildete jedoch den Anfang eines wesentlich größeren Betrugs.

Weder Mark Carney noch die Bank of Canada hatten irgendeine Verbindung zu der Masche.

Betrüger erhielten Zugriff auf ihren Computer

Nachdem Skene auf die Anzeige reagiert hatte, schickten ihr die Betrüger einen Link. Als sie ihn öffnete, erhielten sie Berichten zufolge Fernzugriff auf ihren Computer.

Die Kriminellen durchsuchten anschließend das Gerät und fanden Informationen über ihre finanzielle Situation. Dazu gehörten Angaben zu ihrer Altersvorsorge und weiteren Anlagen.

Die Betrüger gaben sich als Finanzberater aus. Danach forderten sie Skene zu weiteren Investitionen auf. Gleichzeitig zeigte eine gefälschte Handelsplattform angeblich hohe Renditen auf ihre Einzahlungen.

Die Zahlen auf dem Bildschirm waren nicht echt. Dennoch halfen die vermeintlichen Gewinne den Kriminellen dabei, Vertrauen aufzubauen und höhere Zahlungen zu verlangen.

Witwe löste ihre Altersvorsorge auf

Der Deepfake-Anlagebetrug dauerte mehrere Monate. In dieser Zeit überzeugten die Kriminellen Skene davon, rund 650.000 Dollar aus ihrer Altersvorsorge abzuheben.

Zudem brachten sie sie dazu, eine Hypothek über 300.000 Dollar auf ihre Eigentumswohnung aufzunehmen. Darüber hinaus nahm sie über ihre Kreditkarte einen Bargeldvorschuss von 35.000 Dollar in Anspruch.

Insgesamt belief sich ihr Verlust auf fast eine Million kanadische Dollar.

Die Betrüger behaupteten, sie könne monatlich 40.000 Dollar an Dividenden verdienen, wenn sie weiter investiere. Außerdem versprachen sie, dass höhere Zahlungen zu größeren Renditen führen würden.

Eine echte Investition gab es jedoch nie. Die Kriminellen nahmen das Geld einfach an sich.

Kriminelle verlangten Geheimhaltung

Die Betrüger setzten Skene unter Druck, die Investition nicht mit Freunden oder Familienmitgliedern zu besprechen.

Sie behaupteten, andere Menschen würden neidisch werden, sobald sie von ihren hohen Gewinnen erführen. Dadurch isolierten die Kriminellen ihr Opfer von Personen, die möglicherweise die Warnsignale erkannt hätten.

Mitarbeiter einer örtlichen Bankfiliale warnten Skene, dass sie wahrscheinlich mit Betrügern zu tun hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Kriminellen sie jedoch bereits von der Seriosität der Investition überzeugt.

Ein langjähriger Freund entdeckte die Situation im März 2026. Bis dahin hatte Skene ihre Ersparnisse verloren und erhebliche Schulden aufgenommen.

Später konnte sie ihre Hypothekenraten, die Gebühren für die Eigentumswohnung und die Kreditkartenschulden nicht mehr begleichen. Zudem verlor sie ihr Auto.

Die Polizei und mehrere Finanzinstitute untersuchen den Fall.

Deepfake-Betrug wird immer häufiger

Das Canadian Anti-Fraud Centre berichtet, dass Kriminelle zunehmend KI-generierte Videos und Audioaufnahmen für Finanzbetrug nutzen.

Die Betrüger imitieren häufig Politiker, Behördenvertreter, Prominente, Finanzexperten und Führungskräfte. Ein bekanntes Gesicht kann eine betrügerische Anzeige vertrauenswürdig erscheinen lassen.

Seit 2022 meldeten Kanadier Verluste von mehr als 1,2 Milliarden Dollar durch Anlagebetrug. Betrugsfälle mit Kryptowährungen machen den größten Teil dieser Summe aus.

Die gemeldeten Zahlen bilden wahrscheinlich nur einen Teil des tatsächlichen Schadens ab. Manche Opfer wenden sich nicht an die Behörden. Sie schämen sich möglicherweise oder glauben, dass sie ihr Geld ohnehin nicht zurückbekommen.

Warnsignale für Kryptobetrug

Gefälschte Investitionsplattformen versprechen häufig hohe Renditen bei geringem oder gar keinem Risiko. Die Betrüger drängen ihre Opfer möglicherweise auch zu schnellen Entscheidungen, bevor das angebliche Angebot ausläuft.

Weitere Warnsignale sind:

  • Unerwartete Anlagetipps in sozialen Medien
  • Empfehlungen durch Prominente oder Politiker
  • Aufforderungen zum Kauf oder zur Übertragung von Kryptowährungen
  • Das Versprechen enormer Gewinne durch eine kleine Einzahlung
  • Kontaktaufnahme durch einen unbekannten Online-Anlageberater
  • Aufforderungen zur Installation von Fernzugriffssoftware
  • Zusätzliche Gebühren vor der Freigabe von Auszahlungen
  • Die Anweisung, die Investition vor Angehörigen oder der Bank geheim zu halten

Verbraucher sollten die Identität von Finanzberatern immer mithilfe unabhängiger Quellen überprüfen. Sie sollten sich nicht auf die Kontaktdaten in einer Anzeige verlassen.

KI-Videos gelten nicht als Beweis

Ein realistisch wirkendes Video beweist nicht mehr, dass eine Person eine bestimmte Aussage tatsächlich gemacht hat. KI-Werkzeuge können Gesichter, Stimmen und Sprechmuster immer genauer nachbilden.

Nutzer sollten Anlageempfehlungen daher über offizielle Webseiten von Behörden, Unternehmen oder Aufsichtsbehörden überprüfen. Vor einer Überweisung sollten sie außerdem nach unabhängigen Warnungen suchen.

Fernzugriff stellt ein weiteres großes Risiko dar. Nutzer sollten niemals auf Wunsch eines unbekannten Investors, Brokers oder Supportmitarbeiters Software zur Bildschirmfreigabe installieren.

Der Deepfake-Anlagebetrug gegen Skene begann mit einer Zahlung von lediglich 350 Dollar. Am Ende verlor sie fast ihre gesamten Ersparnisse. Der Fall zeigt, wie schnell KI-gestützter Betrug eskalieren kann.


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