Die Festnahme eines mutmaßlichen Mitglieds der Hackergruppe Scattered Spider durch das FBI hat eine breitere Debatte über Microsofts GDID-Tracking und den Datenschutz der Nutzer ausgelöst.

Gerichtsunterlagen zeigen, dass die Ermittler den 19-jährigen Peter Stokes identifizierten, indem sie Aktivitäten mit einer dauerhaften Windows Global Device Identifier (GDID) verknüpften. Der Fall hat viele Windows-Nutzer dazu veranlasst, zu hinterfragen, wie viele Gerätedaten Microsoft sammelt und weitergibt.

Microsoft GDID half bei der Identifizierung des Verdächtigen

Laut der Anklageschrift verfolgten die Ermittler Stokes mithilfe der Microsoft GDID, einer eindeutigen Kennung, die mit einer Windows-Installation verknüpft ist.

Im Gegensatz zu einer IP-Adresse blieb die Kennung unverändert, obwohl der Verdächtige VPN-Dienste wechselte, IP-Adressen rotieren ließ und Remote-Desktop-Verbindungen nutzte.

Aus der Anklageschrift geht hervor, dass nur eine Neuinstallation von Windows eine neue GDID erzeugt.

Die Ermittler ordneten die Kennung Aktivitäten in Tallinn, New York und Thailand zu.

VPN-Dienste konnten die Geräteaktivität nicht verbergen

Die Behörden geben an, dass Stokes dasselbe Windows-Gerät nutzte, um über einen VPN-Dienst ein Konto bei ngrok zu erstellen.

Ngrok ist ein legitimer Tunneldienst, der den Fernzugriff auf Systeme hinter Firewalls ermöglicht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Verdächtigen vor, den Dienst genutzt zu haben, um sich unbefugten Zugang zu Unternehmensnetzwerken zu verschaffen.

Die Ermittler verknüpften dasselbe Gerät außerdem mit persönlichen Konten bei Snapchat, Apple, Facebook und dem Onlinespiel Growtopia.

Der Verdächtige soll zudem unter den Aliasnamen „Bouquet“, „Spencer“ und „Jordan“ Fotos von Luxusuhren, Schmuck und Bargeld in sozialen Medien veröffentlicht haben.

Die Behörden nahmen ihn in Helsinki fest, als er ein Flugzeug nach Japan besteigen wollte. Anschließend lieferten sie ihn an die Vereinigten Staaten aus.

Microsoft GDID sorgt für Datenschutzbedenken

Der Fall hat in den sozialen Medien erhebliche Kritik an Microsoft GDID ausgelöst.

Viele Nutzer erklärten, ihnen sei nicht bewusst gewesen, dass Windows jeder Installation eine dauerhafte Kennung zuweist, die bei Ermittlungen genutzt werden kann.

Der Datenschutzforscher IT Guy behauptet, Microsoft habe bislang nicht öffentlich erklärt, wann das Unternehmen GDID-Informationen an Strafverfolgungsbehörden weitergibt. Außerdem gebe es weder eine Möglichkeit, die Funktion zu deaktivieren, noch einen speziellen Transparenzbericht zu GDID-Anfragen.

Auch die Forscher von vx-underground weisen darauf hin, dass die Kennung bei den Ermittlungen eine wichtige Rolle spielte, obwohl sie bislang kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhalten hat.

Experten halten es für schwierig, Microsoft GDID zu vermeiden

Mitglieder des Massgrave-Projekts erklären, dass Windows während der Installation Gerätekennungen erstellt, nachdem das Betriebssystem mit den Microsoft-Servern kommuniziert hat.

Windows nutzt diese Kennungen anschließend für die Aktivierung, den Microsoft Store und weitere Plattformfunktionen.

Nach Angaben der Gruppe würde ein Versuch, die Erstellung einer Microsoft GDID zu verhindern, auch die Windows-Aktivierung sowie Anwendungen der Universal Windows Platform (UWP) außer Funktion setzen.

Einige Datenschützer empfehlen, die Windows-Telemetrie zu reduzieren, auf Microsoft-Konten zu verzichten und alternative Browser zu verwenden.

Sicherheitsforscher warnen jedoch, dass eine Neuinstallation von Windows allein nur begrenzten Schutz bietet, da sich eine neue GDID häufig wieder derselben Hardware oder demselben Microsoft-Konto zuordnen lässt.


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